Ohridsee

Ohridsee

Die Beiden zieht es schon wieder an einen See, den Ohridsee in Mazedonien. Zuvor will aber wiedermal die Grüne-Karten-Problematik gelöst werden und erstaunlicherweise geraten Liezel an einen menschlichen Zöllner (ja, sowas gibts) der ganz ohne Zigarettengeld und nach einem kurzen Telefonat mit seinem Boss die Einreise auch ohne das Original der Karte gestattet. Angeblich kostet die örtliche Versicherung nun schon 50 Euro. Hm.

Der Ohridsee wirkt wie ein Meer, das Wasser ist sehr, sehr tief, sehr erfrischend und sauber. Vom Campingplatz an der albanischen Grenze aus (der nett ist, vor allem die Rüttelduschen*) finden die Beiden in der Nähe des Dorfes Trpejca eine kleine Bucht (vielleicht das schönste Platzerl auf der ganzen Reise) und verbringen dort fast zwei Tage. Da gibt es Eidechsen, Libellen, Fischchen (die einen, wenn man im Wasser sitzt sanft anstubsen und ein bisschen an einem rumnagen) Frösche, Hirschkäfer, Blumen… Wunderschön. Noch voll dieser Kostbarkeiten (und einer sehr schmackhaften Grillforelle in Trpejca) schließt Hazel den Schlüssel zu Ollie im Ollie ein. Na Bum. Aber ‘no problem’ sagt Pavel, unser neuer Freund aus Trpejca und öffnet mit einem Draht (zuvor aus einem Zaun des örtlichen Tante-Emma-Ladens entfern) in wenigen Minuten Ollies Fahrertür. Das wird mit ein paar Bier gefeiert!

* Aha, Neugieriger/Neugierige – Du willst wissen, was eine Rütteldusche ist. Es handelt sich um ein bewundernswertes Ingenieurprodukt mit extrem langer Tülle (die Leitung, die das Wasser vom Wasserhahn in den Duschkopf fließen lässt). Ist die Tülle schlecht befestigt, neigt die Konstruktion zu heftigen Vibrationen, die wiederum begünstigt durch die eher provisorische Art der Befestigung ein ziemlich bedrohliches Brummen und Rütteln erzeugt. Der Klang ähnelt (je nach Durchflussmenge) einem Dieselmotor oder einer Death Metal Band.

Anderland: Albanien

Anderland: Albanien

In Albanien ist alles anders.  Soviel ist uns schon klar, als wir uns (mit unserem Gruene-Karten-Gruselgefuehl) darauf gefasst machen nun ein paar Albanische Grenzbeamte ueberreden zu muessen uns ins Land zu lassen, aber siehe da: Es gibt keine albanische Grenzkontrolle. Jenfalls haben wir sie nicht gesehen. Bald darauf ueberquert man auf einer Holzbruecke (!) einen Fluss und man ist da. Im Land mit der hoechsten Mercedes-Benz-Dichte (bei zugleich geringstem Bruttosozialprodukt) und den vermutlich meissten Esel- und Pferdewagen in Europa. Weiters faellt uns auf, dass die Mercedcesbesitzer offenbar einen recht aussergewoehnlichen Hang zu sauberen Autos bei gleichzeitig ziemlich staubigen Strassen haben, denn Albanien besitzt auch die hoechste Dichte an Autowaschanlagen (Lahvazh special: oft nur ein kleiner Kaercher, mit Wasch-Schackl). Seltsam. Der Hang zu Automobilzentrierten Geschaeftsmodellen erklaert vermutlich auch die wirklich abartig hohe Tankstellendichte und -diversitaet. Es gibt hier mindestens 40 verschiedene Tankstellenketten, mit teils amuesanten Namen (z.B. EuroDrin – die Zapfsaeule zeigte aber den Spritpreis in deutscher Mark an. Das wunderte Lie schon, gabt ihm aber auch ein gutes, nostalgisches Gefuehl). Seltsam ist auch, dass man in Albanien nicht nickt, wenn man zustimmt, sondern den Kopf schuettelt. Die Leser koennen sich sicher vorstellen, wie das die (ohnehin schwierige, da beiderseits durch Sprachlosigkeit gepraegte) Kommunikation behindert. Wundern  tun sich die Beiden auch darueber, dass es hier mehr Kirchen als Moschjeen gibt, obwohl das Land zu etwa 70 Prozent muslimisch ist. Hm.

Da Liezel ausserdem mit dem Auto unterwegs sind und die Strassen hier manchmal ok, in der Regel aber in die Kategorie “Vollsperrung” fallen duerften, haben sie einen guten Eindtruck davon, wie krass es auf den Strassen zugeht. Metertiefe Schlagloecher. Dirtroads. Erdrutsche usw., geisterfahrende Fahrradfahrer, Gegegenverkehr auf dem Zubringer und Parken auf der Autobahn suedlich von Durres. Irrlichternde Kuehe, Esel, Menschen und die schon legendaere Tolldreistigkeit beim Ueberholen. Hazel fasst es so zusammen:

wer zoegert, verliert

Die Beiden passen sich an und fahren jetzt auch wie manisch-besessene. In Wien wuerden sie entweder sofort verhaftet oder ins Krankenhaus eingeliefert. Lie findet, Autofahren in Albanien sei wie in einem Computerspiel. Hazel meint es sei bloed, dass man nur ein Leben habe (Liebe Muttis, war nur Spass, wir fahren IMMER 30 km/h, echt!) Hier eine kleine Szene:

img_1304

Bild 1 von 7

Abgesehen davon faellt Liezel auf, dass hier in Albanien mit Muell so umgegangen wird wie in Indonesien – z.B. betrachtet Hazel gerade einen sehr schoenen Gebirgsbach, der in den Komanisee fliesst, als die gerade aufkommende, wild-romantische Stimmung durch eine Bierdose gestoert wird, die ein freundlich grinsender Herr in Hohem Bogen ins Gewaesser wirft. Ende der Neunziger war Albanien angeblich voellig muellfrei, da man seinerzeit noch alles wiederverwertet hat. Hm.

In Berat sehen die Beiden das historische Albanien, das es leider ueberwiegend nicht in die Gegenwart geschafft hat, weil es in Albanien (wie in dem damals verbuendeten China) auch eine kleine Kulturrevolution gegeben hat. Enver Hoxa hat sie ermoeglicht. Hier kann man ein wenig dazu lesen. Die Bunker, die in Albanien buchstaeblich ueberall rumstehen stammen aus dieser Zeit (das Bild, das man sich wohl von diesem Regime machen sollte wird durch die Geschichte dieser Bunker abgerundet: Getestet wurden sie auf Hoxas Wunsch, indem man den leitenden Ingenieur in einen dieser Bunker eingesperrt, und diesen dann von einem Panzer beschiessen lies. Als der Ingenieur danach nich ganz tot war, konnte die Massenfertigung beginnen. Es wurden mehr als 600.000 davon gebaut und aufgestellt. Bunkermentalitaet, gell?)

Ueberall, besonders aber im Norden und im Sueden des Landes (es verschlaegt die Beiden noch an einen recht netten Strand an der ionischen Kueste Albaniens) lernen die Beiden aber unheimlich nette Menschen kennen und die Natur ist wunderbar. Liezel geniessen die Reise in vollen Zuegen.

Skadarsee

Skadarsee

Nach einer angenehmen Fahrt entlang der montenegrinischen Adria, zieht es Liezel wieder mal seitwaerts ins Gebirge. Ziemlich weit im Sueden Monenegros liegt der Skadarsee. Hier gibts ueber 70 (!) Fischaften und etwa 50 Prozent aller in Europa beheimateten Vogelarten. Das gesamte Seegebiet ist touristisch quasi unerschlossen und unglaublich schoen. Ruhig! Der Kontrast zur Adriakueste, an der so langsam der Sommertrubel anfaengt koennte nicht krasser sein. Liezel checken sich eine Wohnung am See, mit sehr viel Lokalkolorit (ostblockstyle) und handeln mit einem Fischer einen fruemorgentlichen Bootstrip auf dem See aus. Sie sehen Reiher, Kormorane und alle moeglichen anderen Viecherln (z.B. Schildkroeten, die hier auf der Strasse rumrobben und einen etwa 10 cm grossen Grashuepfer, der Olli ins Herz schliesst und eine Weile mitfaehrt, bis ihn die Beiden in einer saftigen Wiese absetzen).

Ihr Leser, hier ist es schoen!

Die Beiden naechtigen heute vermutlich auf einem Campingplatz kurz vor Albanien – etwa hier – und zischen morgen weiter!

Bucht von Kotor

Bucht von Kotor

Liezel ziehts in den Sueden. Der Durmitor Nationalpark ist wirklich super, keine Frage, aber temperatur- und wettermaessig gaebs da momentan doch einiges zu optimieren. Man koennte glauben es ist April, nicht Sommer. Nach der Tara-Raftingtour setzen sich die Beiden also in ihren Olli und fahren Richtung Bucht von Kotor. Die Landschaft bleibt spektakulaer – wilde Schluchten und Berge, aber wie bestellt steigt die Temperatur stetig an und die Sonne setzt sich durch. Nach relativ langem, wirren Herumgekurve auf einer Halbinsel vor der Bucht finden die Beiden ein tolles – noch dazu kostenloses, da wahrscheinlich nicht ganz legales – Zeltplatzl in einem kleinen Olivenhain gleich ums Eck von einer schoenen Kiesbucht. Dort werden schon intensive Vorkehrungen fuer den Juli/August-Ansturm getroffen, aber inzwischen ist es noch recht ruhig.

Nach einem gemuetlichen Faultag am Strand machen sich die Beiden dann  auf die beruehmte Bucht von Kotor zu erkunden, die unglaublich schoen ist. Die Bucht ist so tief, dass das Meer quasi einen verzweigten Fjord bildet, und es gibt unzaehlige kleine Inseln, Orte, Kirchen, Kloester, Festungen und die Berge drum herum zu entdecken.

Crna Gora

Crna Gora

Crna Gora, der schwarze Berg ist die Bezeichnung, die die Venezianer dem Ort gegeben haben. Und bergig ist es hier. Die Liezel suchen sich sogar das bergigste Stueck  Land raus, das sie finden koennen: Durmitor.  Liezel naehrn sich von Nordwest im Landesinneren. Zuerst muss allerdings noch die Grenze passiert werden. Was sich als nicht allzu einfach herausstellt, denn, Ihr liebe Leser ahnt es schon: Die gruene Karte. DIE GRUENE KARTE!!!

Also, die Bosnier wollten uns nicht raus und die Montenegriner nicht rein lassen. Als es den Bosniern am Ende selbst komisch vorkam, dass man eine nur in Bosnien gueltige Versicherung kaufen soll, wenn man das Land verlaesst (so die urspruenglische Rechtsauslegung der Grenz-Schackl) lassen sie uns (ein “Trinkgeld” spaeter) zwar ausreisen, aber die unheimlich netten, aber sehr sturen Montenegriner sind ein anderes Kaliber. Selbst als Lie die Anwaltsnummer abzieht (jeden einzeln nach dem Namen fragen, diesen wichtig in ein Notizbuch notieren, jeden eindringlich mustern, so tun als ob man mit der Botschaft telefoniert) bleiben sie hart. Vermutlich funktioniert die Anwaltsshow schlechter, wenn man ein mit Bluemchen beklebtes Auto faehrt und ein T-Shirt mit der Aufschrift “665 the neigbour of the beast” traegt. Aber irritiert und ein bissi eingeschuechtert war man doch. Egal, eine gruene Karte fuer Montenegro und Serbien gekauft, die ominoese Oeko-Tax abgedrueckt und ab dafuer.

Dann bloederweise die falsche Abfahrt genommen, gewundert, weil seit ner Stunde kein Auto mehr entgegenkam und am Ende standen die Beiden vor einer klassischen Schotterpiste. Serpentinen, ueber Kilometer… Ein nettes Baeuerlein bestaetigt den Weg (Lie wurde mit Handschlag begruesst, verstand nur Bahnhof von seiner Rede, allerdings Asfalt und Kilometr schon, na immerhin. Das dankbar genuschelte “toi e Dobro” wurde gepriesen wie die ersten Worte des Enkels. Echt feine Menschen hier!). Und dann sehen die Beiden einen echten Eidechsenwoscher (halber Meter mindestens, erbsguen) und einen wahrhaftigen Wiedehopf und nach einer alpraumhaften (Ab-)rutschpartie mit Ollie wirklich unglaubliche Mengen Wiesenblumen auf einer Hochebene. So etwas haben beide noch nie gesehen!

Noch ein Wort zu Ollie: So ein braves Autochen gibts nicht nochmal! Vereinigt japanisch-oesterreichische Tugendbuendel: Fleissig, sparsam, bescheiden, gmiatlich, trinkfest (liebe Oesis: sucht Euch doch mal Eure Tugenden aus!)

Im Nationalpark treffen die Beiden dann eine nette Dame namens Anna ueber deren mysterioese Vergangenheit nur herausgefunden werden kann, dass sie Deutsche ist, in Zabljak lebt, Oesterreich liebt und sich sehr gut im Park auskennt. Sie schickt die Beiden auf eine wunderbare vier-Bergseen Tour und anschliessend zum Wildwasserraften in die Taraschlucht. Eine Wahnsinnsgegend, fast so tief wie der Grand Canyon! Und dann gehts auch schon weiter an die Bucht von Kotor!