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Wilde Reise durch die Nacht

Wilde Reise durch die Nacht


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Eigentlich wollten die Liezel mit dem Schiff nach Constanta reisen, aber ein Frachter wär erst am 23. ausgelaufen und das war dann selbst für die Beiden ein bissi knapp – die andere Option – nach Istanbul zu dampfen reizte die Beiden, aber auch das war nix. Kreuzfahrtoptionen gabs auch keine und nachdem die Idee einer Spontantweltreise Richtung Sochi (and beyond) verworfen wurde, die Eisenbahn durch Transnistrien fährt (Gruselgrusel) blieb nur noch der Bus. und die Beiden fühlen sich in alte Zeiten versetzt. Alles in allem dauert die Fahrt von Odessa nach Galati (spricht sich Gwie Glatze – mit a nach dem G) zehn Stunden mit jeweils einer Stunde Warterei bei Ein- und Ausreise an jeder Grenze (Ukraine – Moldawien, Moldawien – Rumänien). Macht nix, Liezel kommen mit den Leuten ins Gespräch. Zum Beispiel mit Dimitri aus Sofia (ein etwas wirrer Couchsurfer, dem Kiew besser gefallen hat als Odessa, wegen der vielen großen Gebäude und der achtspurigen Straßen). Je klarer wird, dass die Beiden in Galati etwa zur Geisterstunde einreiten werden, desto unangenehmer wird der Gedanke, die Nacht am Busbahnhof einer unbekannten Stadt zu verbringen.

Aber hey! Es kommt eh immer anders: Das Hotel Turist (Lie nennt es für sich “Krassnojarsk”) an dem der Bus die Beiden rausschmeißt hat zwar wohl schon ein paar Jahre geschlossen, aber wieder erweist sich das Weltreiserezept als sehr geeignet: Fragen, Fragen, Fragen. Christen – ein Typ, der vor dem Krassnojarsk mit seinen Kumplen abhängt bringt die Beiden zu einem anderen Hotel. Dieses hat noch ein paar Minussterne mehr als das Krassnojarsk und einen einäugigen Portier, der allen Ernstes keine Euros annehmen will (offenbar macht er sich Sorgen über die Pleite in Griechenland?) aber selbst hierbei hilft Christen. Cooler Typ – kommt uns vielleicht mal besuchen in Wien und verpasst Hazel zum Abschied einen Handkuss. Wow, die Rumänen!

Am nächsten Morgen verschlägts die Beiden dann doch noch beinahe nach Istanbul. Im örtlichen Busbahnhof versteht der bullig aussehende Reiseagent statt “Tulcea” “Turca”. Hazel sind sprachlos über die geforderten 300 Lei (+/- 30 Tacken) für 70 km und versuchen so lange zu Handeln, bis klar wird, dass es sich um ein Missverständnis handelt. Also rauf auf die Donaufähre, rein in den Microbus und ab nach Tulcea. Dort (nach langem Durchfragen mit Händen und Füßen) den Donaudampfer nach Sfantu Gheorghe bestiegen und zack, das war’s.

Im hohen Norden

Im hohen Norden

Phongsaly City

Nachdem Lie & Hazel wieder glücklich vereint sind und sich Lie von seinem langen Marsch erholt hat, gibts in Phongsaly einiges zu entdecken. Die Stadt liegt af 1400m, umgeben von Bergen und traditionellen Döfern. Viele Falangs verschlägts nicht in diese abgelegene Gegend: Außer den Beiden sind noch 2 Mädels da. Es geht wieder einmal sehr gemütlich zu. Um 6h in der Früh ertönen die Nachrichten (oder sowas ähnliches) und die Nationalhymne aus dem Lautsprecher, aber dann dauerts noch ein paar Stunden bis ein bisschen Bewegung in die Stadt kommt. Die Bäckerei (wo eine gute Frau in ihrem Wohnzimmer Baguettes aus dem Backofen holt), sperrt zum Beispiel erst um 15 Uhr auf.

Nicht nur am Markt merkt man, dass China nur einen Katzensprung entfernt ist. Abgesehen von allerlei chinesischen Produkten gibts hier lokale Spezialitäten wie gegrillte Maden und getrocknete Ratten (aber bitte wilde Waldratten, keine Hausratten – das ist anscheinend kulinarisch ein großer Unterschied!)

Glücklicherweise haben Hazel, Nemo und Shelley bei ihrem ersten Stadtspaziergang (als Lie sich gerade die Serpentinen hinaufquälte) beim örtlichen Tempel den Mönch Sompeth kennengelernt, der sich sehr über die Gelegenheit freut Englisch zu üben. Und prompt werden wir Falangs auch eingeladen ihm beim Englisch Unterrichten zu helfen – eine wirklich lustige Erfahrung. Die laotischen kids sind recht angetan von unserem ABC-Lied.

Akha-Trek

Nach 2 Tagen in Phongsaly juckts die Beiden dann im Wanderfuß und sie brechen auf um ein entlegenes Dorf des Akha-Bergstammes zu besuchen. Als Hazel und Lie nach 1 Stunde Busfahrt, 1 Stunde Bootsfahrt und 3 Stunden Wandern das Dorf auf 1000m erreichen, haben sie das Gefühl in einer ganz anderen Zeit und Welt angekommen zu sein. Die Lebenweise der Akha – vorallem die der Akha-Frauen – hat sich anscheinend seit Jahrhunderten nicht wesentlich verändert. Die Häuser haben einen gestampften Lehmboden, bestehen aus Holz und sind mit Reisstroh gedeckt. Klos gibts keine und als Dusche dient der Bach unterhalb des Dorfes.

Die Frauen tragen täglich ihre traditionelle Tracht, die aus handgewebten, mit Ebenholz gefärbtem Stoff besteht und mit bunten Stickereien verziert ist. Besonders schön ist der Kopfschmuck, an dem man verheiratete und unverheiratete Frauen erkennen kann. Er ist mit bunten Perlen, französischen Silbermünzen und Silberringen verziert. Der Busen hängt den Frauen, die gerade ein Baby zu Versorgen haben, jederzeit stillbereit aus dem Oberteil. (Leider wollten sich die Frauen und Kinder nicht fotographieren lassen, aber hier gibts schöne Akha-Fotos.) Die Herren sind “zeitgemäß” gekleidet. Während die Frauen, wie uns unser Guide erzählt, die meiste Arbeit verrichten (auch auf dem Reisefeld) und manche von ihnen ihr Leben lang das Dorf nicht verlassen, treten die Herren halt doch ab und zu den weiten Weg nach Phongsaly oder in andere Dörfer an.

Suk erzaehlt uns auch einiges über die örtlichen Sitten und Tabus. Hier ein paar Beispiele:

  • Geschwister dürfen sich gegenseitig keinen lao lao einschenken.
  • Eine Braut muss sich nach der Hochzeit 3 Monate lang das Gesicht verschleiern.
  • Der Reisbehälter darf nicht auf dem Tisch stehen.
  • Der Ausguss der Teekanne darf nicht zur Tür zeigen.

Die Beiden flashts also ganz schön. Auch das Abendessen ist wieder ein Erlebnis. Im Haus sitzt man auf niedrigen Holzstockerln (der Hintern tut einem bald weh…), daneben brennt ein kleines Feuer am Boden über dem alle möglichen haarigen Wildschweinteile zum Trocknen hängen. Die Speisen selbst sind eher undefinierbar, aber so genau will mans auch garnicht wissen. Außerdem sind die Beiden inzwischen ja einiges gewöhnt. Verdauenserleichternd wirkt der starke lao lao, den man auch zum Fruehstück bekommt! Sehr gut schmeckt auf jeden Fall der frisch geerntete Reis. Man schläft neben einigen Dorfbewohneren auf einer erhöhten Holzplattform auf einer dünnen Matte. Wenn man in der Nacht aus dem Haus geht, muss man aufpassen, dass man nicht auf die kleinen Schweine steigt, die sich vor der Haustür an die Muttersau kuscheln.

Am nächsten Tag verarztet Lie noch einige Kinder notdürftig mit dem kleinen mitgebrachten Erste-Hilfe-Kit. Es ist schon unglaublich wenn man bedenkt welche Wegstrecke die Menschen auf sich nehmen müssen um zu einem Arzt zu kommen und dass alltägliche Dinge wie Desinfektinsmittel, Verbände und Pflaster nicht vorhanden sind.

Dass seit der letzten Trockenzeit – also seit ca. 5 Monaten – keine Touristen mehr diesen Trek gemacht haben, merken Suk, Lie und Hazel auch daran, dass der Weg, den man zurück zum Fluss nimmt, völlig zugewachsen und daher kaum zu finden ist. Dazu kommt noch Hitze, jede Menge Gatsch (déjà vu), Büffelgacke und – hurra, was Neues! – Blutegel. Das sind kleine aber recht unangenehme Viecher, die sich unauffällig in die Schuhe oder die Hose bewegen und sich dort ansaugen (die können das auch durch die Socke!). Hazel ist nicht gerade glücklich über den Egel am Hintern, den Lie aber fachmännisch mit der Flamme des Feuerzeugs in die Flucht schlägt.

Tja, Lie hat vorerst genug vom Trekken, aber vielleicht kann ihn Hazel doch noch dazu überreden – im Nam Ha Nationalpark in Westen von Laos hätten sie dazu noch einmal Gelegenheit, bevor sie Südostasien via Bangkok verlassen…

Den Mekong hinauf (Teil 2)

Den Mekong hinauf (Teil 2)

Pakse

Weiter den Mekong hinauf erreichen die Beiden das recht gemütliche Pakse. In der Nähe gibt es tolle Wasserfälle, die Liezel zwar zu hören allerdings nie zu sehen bekommen – und das kommt so: Die angebotenen Touren richten sich an den klassisch faulen Touristen. Faulheit ist ja grundsätzlich ok…

Gotthold Ephraim Lessing

Lob der Faulheit

Faulheit, jetzt will ich dir
Auch ein kleines Loblied schenken,
Käm es nur gleich aufs Papier
Ohne lange nachzudenken
Doch, ich will mein Bestes tun,
Nach der Arbeit ist gut ruhn.

Höchstes Gut! wer dich nur hat
Dessen ungestörtes Leben
Wird – ich gähn – ich werde matt -
Nu – so – magst Du mir vergebens,
Daß ich dich nicht loben kann;
Du verhinderst mich ja dran.

…aber nicht wenn der Spaß $ 25 pro Nase kostet. Also mieten sich die Beiden ein Mopperl und fahren … in den Nebel und Matsch. Da die Beiden nix  gesehen haben, gibts auch nichts zu berichten! Die Bilder sprechen für sich…

Tham Kong Lo

Eine Wahnsinnshöhle, 7 km lang, etwas östlich des Mekong in Zentrallaos. Im Grunde ist sie ein Fluss, der durch einen Berg fließt. Sie kann nur per Boot besichtigt werden und ist ziemlich gruselig, ehrlich gesagt. Nachdem die Beiden sich an das Fehlen des Tageslichts gewöhnt haben, bricht Lie der Schweiß aus: Im Lampengeflacker sieht er unangenehme Dinge im Flusswasser. Nein, er hat keinen Happy Shake intus, gemeint sind Baumstämme, die das Wackelkanu (mit überdimensioniertem Außenbordmotor) bedrohen. Oder Sandbänke. Oder tiefhängenden Stalagtiten. Oder Monsterfledermäuse. Suchts Euch aus.

Den Mekong hinauf

Den Mekong hinauf

Hazel & Lie ziehen wieder die Wanderschuh an und schnüren das Ränzlein. Nachdem eine kurze Anfrage wegen Flügen in einem Reisebuero in Sihanoukville (die Lady lackiert sich während des Verkaufsgesprächs die Nägel und nennt um 200 % überteuerte Preise – Sihanoukville eben) kurzerhand abgebrochen wurde (- die Lady konnte weiterlackieren-) machen sich die Beiden per Bus auf den Weg. Erste Station ist

Phnom Penh

die Hauptstadt von Kambodscha , eine recht angenehme Stadt. Sie quillt über vor geschäftstüchtigen Kambodschanern. Es gibt an jeder Ecke einen Markt, der tollste ist vermutlich der Zentralmarkt, der ein bisschen an eine Moschee erinnert (die es CIMG0358.JPG hier natürlich nicht gibt). Obwohl PP (im Vergleich zu Singapur) nach Liezels Ansicht recht gemütlich ist (mal abgesehen von der unglaublichen Masse an Rollerfahrern, die hier kamikazeartig durch die Straßen irrlichtern) hat uns der Elephant auf der Hauptstraße dann doch überrascht…

Ausserdem erstehen die Beiden in PP das am besten raubkopierte Buch (gebundene Photokopie), das sie je gesehen haben. Ein Lonely Planet von Laos. Die Chefs beim Linde Verlag würden auszucken, gäbs da auch den Jakom. Gibts aber nicht. Nur die Ruhe.

Kratie

Auf halbem Weg nach Laos machen die zwei Station in Kratie. Ein Örtchen, dem die Beschreibung verschlafen noch zuviel Leben einhaucht. Aber ein Nest von Betrügern. Faul wie Liezel in letzter Zeit sind, lassen sie sich eine Tour zu den Irawadidelfinen aufschwatzen. Die Tour selbst ist super, und die Tierchen sind unglaublich niedlich, aber die Erfahrung ist teuer erkauft. Genauso wie alles andere, was der gute Mann den Beiden andreht. Wurst.

Don Det und der Weg dahin

Die Kolonialfranzosen hatten ein Sprichwort über die Bewohner Ihres indochinesischen Reichs: CIMG0409.JPG

Die Vietnamesen pflanzen den Reis, die Kambodschaner beobachten sein Wachstum und die Laoten hören dem Reis beim Wachsen zu.

Das Photo zeigt übrigens die Grenze zwischen Laos und Kambodscha (jeweils zwei Hütterln mit leger gekleideten Herren darin, die alles stempeln, was man ihnen hinlegt – Hauptsache es ist ein bisschen Zigarettengeld dabei). Man hat die Vision wie ein weissgewandeter Kolonialfranzose hilflos die Schultern hebt angesichts dieser unglaublichen Lässigkeit. Liezel gefällts. Noch etwas weniger geschäftig (ja, das ist möglich) geht es auf Don Det zu, einer Insel im Mekong. An dieser Stelle ist der Fluss 14 km breit und fließt um ca. 4000 Inseln herum, auf denen Bauern Reis anbauen (aber wie in Laos üblich nur eine Ernte pro Jahr, bloß kein Stress!). Man kann sich hier für ca. 2 Dollar eine Hütte mieten und darauf warten, dass die Insel weggespült wird. Angeblich handelt es sich um eine Hippiehochburg, aber Liezel haben nicht viel davon bemerkt. Beeindruckter sind die Beiden von den vielen (sehr seelenvollen) Wasserbüffeln und der Ruhe, die die saftig grünen Reisfelder ausstrahlen. Gleich flussabwärts gibt es einen (eher unspektakulären wenn auch sehr breiten) Wasserfall, der von den Thais und Laoten für eine Seelenfalle der Verdammten gehalten wird. Wir (bzw. das enorme Dekoltée unserer Reisebekanntschaft Keyla aus Kanada) haben das Vergnügen die zweite Hauptattrakion für die anwesenden Thais zu sein. Wir werden intensiv beobachtet und ausgiebig gefilmt und sind nun vermutlich in einigen asiatischen Haushalten in der Kategorie Softporno vertreten. Hmnja warum nicht.

Road rage (part two)

Road rage (part two)

Trotz Warnung aus dem Reiseführer (schlechte Straßen, Speiberei-Gefahr) wagen Hazel und Lie eine längere Etappe auf ihrer Reise gen Osten: Bajo bis Bajawa, 256 km, das heißt mindestens 10 Stunden mit dem public bus. Und das bedeutet folgendes: Ein Bus mit ca. 20 Sitzplätzen wird innen und oben drauf mit Menschen, Tieren, Reissäcken u.ä. befüllt bzw. bepackt bis wirklch nix und niemand mehr reinpasst. (höchstzulässiges Gesamtgewicht – hmm??) Gut, ist ja kein Problem, man ist ja flexibel und abenteuerlustig, und der halb abgestorbene Fuß unterm Reissack wird auch wieder einmal durchblutet werden. Und die vorbeiziehende Landschaft ist ja wirklich sehr schön. Dunkle Vorahnungen kommen aber auf, als auf halber Strecke eine Mami mit 10 leeren Plastiksackerln zusteigt, sich den Beiden gegenüber (d.h. gegen die Fahrtrichtung) auf die Reissäcke setzt und mehr oder weniger übergangslos – der Bus bewegt sich noch kaum – anfängt zu würgen und zu speiben. Andere folgen. Hazel und Lie nicht, aber es bedarf schon einiger Nervenstärke. (Ohrenstöpsel und Augen zu ist Hazels Tipp.) Vielleicht liegt die “Magenschwäche” mancher Locals daran, dass dieser Teil von Flores recht abgeschieden ist und die Leute selten mit dem Auto oder dem Bus unterwegs sind.

Anmerkung von Lie: Apropos abgeschieden – auf ganz Flores gibt es kein funktionierendes Internet – gerüchteweise soll es in Bajo ein Internetcafé geben, bestätigen kann ich das nicht.

In Bajawa, im Hochland von Flores, angekommen, erholen sich Hazel und Lie im Hotel Edelweis (dessen Bettbezüge aber leider nicht wie Blümchen duften…)