Category Archives: Trekking

Schlammschlacht, sticky rice & lao lao

Schlammschlacht, sticky rice & lao lao

Lie und Hazel zieht es wieder in die Wildnis, also machen sie sich mit ihrem Guide Sai auf in den Phu Hin Bun Nationalpark in Zentrallaos. Liezel haben nur nicht so ganz das richtige Schuhwerk gewählt. Jetzt gegen Ende der Regenzeit sind die Wege entweder selbst Bäche oder man versinkt knöcheltief im Schlamm. Die Wanderschuhe haben inzwischen entgültig Giftmüll-Status, müssen aber wohl oder übel noch einige Zeit lang in Verwendung bleiben…

Die Karstlandschaft mit knallgrünen Reisfeldern, filigranen Holzhütterln, vielen Bächen, Höhlen (u.a. “Buffalo shit cave”) und faulen Wasserbüffeln ist wunderschön. Man kann in Flüssen baden und auch im Tham Kong Lo, einem kleinen 70m tiefen smaragdgrünen See, aus dem der Legende nach bei Vollmond ein Gong ertönt. Mit dem Boot fährt man durch die 60m lange Tham Pha Chan Höhle, in der es eine Gebetsstätte mit vielen Buddhafiguren gibt.

Das Highlight des Treks ist der Aufenthalt und die Übernachtung in einem kleinen Dorf mitten in dieser Märchenlandschaft. Die kleinen Mädchen (namens Ping, Pong, Pai & Pu – man glaubt es kaum) sind ganz fasziniert von Lies Origamikünsten (aufblasbare Wuerfel, der Knaller!) und seiner Brille, die männlichen Dorfbewohner von Lies tollen Tönen (mit denen er auch Hazel um den Finger gewickelt hat) und Fingerkunststücken.  Die Inbrunst, mit der Lie Tierlaute ausstößt, wird anscheinend durch den Genuss von viel hochprozentigem lao lao (lokaler Schnaps) unterstützt. Die Dorfbewohner sind begeistert (auch von der Trinkfestigkeit) und wollten Lie garnicht mehr gehen lassen. Der eine meint, Lie soll einen Monat bleiben um die Tiere für die Jagd anzulocken. Ein anderer machtLie am nächsten Tag eine Liebeserklärung (was auch schon in einem kleinen Dorf in Flores, Indonesien vorgekommen ist.) Auf jeden Fall ist es sehr gemütlich und lustig. Lie & Hazel legten noch einen Walzer hin und singen “He, ho, spann den Wagen an” im Kanon. Ein toller Abend.

Abgesehen davon, dass wir auf diesem Trek fernab vom Touristenstrom sind, ist auch die Verpflegung sehr authentisch: Beim 1. Mittagessen an einem Fluss gibts rohes Schweinefleisch mit Glasnudeln, Büffelhaut-Chili-”Dip”, gegrilltes Schweinefleisch und Leber (man weiß nicht von welchem Tier) und den in Laos sehr beliebten sticky rice. Sai zeigt uns wies geht: Man nimmt ein fettiges Stück Schweinefleisch und reibt sich damit die Hände ein, damit der Reis nicht an den Fingern kleben bleibt. Am Abend gibts luftgetrocknetes gegrilltes Rindfleisch, auf dem beim Trocknen hunderte Ameisen herumgekrochen sind. Liezels Mägen scheinen unerhört abgehärtet zu sein. Sie bekommen nicht mal Blähungen. Wahnsinn. Außerdem gibts Fischsuppe (inkl. Augen, Gräten und allem). Sai schnappt sich den Riesenkäfer (rhinoceros beetle) , der neben ihm abgestürzt ist, sagt: “Can eat.” und legt in auf den Teller mit dem Rindfleisch. Dasselbe Kommentar gibt er zu einigen anderen größeren Insekten ab, die Liezel umkrabbeln/-kreisen. Am nächsten Tag gibts u.a. undefinierbare Schweineteile (gegrillt). Praktisch, dass man diese notfalls zwischen den Holzplanken der Stelzenhäuser runterfallen lassen kann – die Hunde & Schweine freun sich. Der Laote spuckt übrigens gerne durch diese Ritzen. Und isst alles!?

Besonders seltsam: Hühnerembryo, noch in der Schale. Die Hühnermama wird zuvor mit Krabbenfleisch gefüttert, sodass das Embryo zugleich nach Fisch schmeckt. Hmmm. Wenn dieser Artikel von fünf verschiedenen Personen kommentiert wird, muss Lie so ein Ei essen. Na, wie wärs?

Besonders krass ist dann noch auch die Fahrt mit einer speziellen Art von Traktor (eine Art einachsiger Motorpflug), dem einzigen Gefährt, mit dem man in der Regenzeit – mit Glück und vielen Leuten, die notfalls anschieben – die “Straßen” befahren kann, die die Dörfer mit der Außenwelt verbinden

Powerslide und Magic Mushrooms

Powerslide und Magic Mushrooms

Auf in den Regenwald! Als Führer heuern die Beiden Tailah (sprich Tyler) an, einen sehr originellen und leicht wirren Typen, der sich in den Meratus Mountains sehr gut auskennt und seit 30 Jahren Treks durch das Gebiet der Dayaks (die Ureinwohner von Borneo) organisiert. Die Meratus Berge sind immer noch fast vollständig mit Urwald bedeckt, was man vom Rest Borneos nicht behaupten kann. Viele Gebiete sehen z.B. so aus.

Übrigens noch ein paar Worte zum Umweltbewusstsein im Paradies: Die Müllbeseitigung à l’Indonesienne (ins Meer/den Fluss/den See) treibt den Beiden die Tränen in die Augen und der Umgang mit wilden Tieren ist zum Teil unerträglich. Hazel und Lie sind nicht der Meinung, dass man einen gut gefüllten Geldbeutel braucht, um sich Umweltbewusstsein leisten zu können. Vermutlich handelt es sich auch nicht um ein kulturelles Problem. Trotzdem sind Hazel und Lie immer wieder erstaunt mit welcher Nonchalance in Indonesien Natur zerstört wird. Die Beiden hoffen, das sich das bald ändern wird. Die meisten Indonesier, auf diese Zustände angesprochen, reagieren eher belustigt. Das wird sich sicher ändern, unabhängig von einem Happy end.

Hazel und Lie wandern mit Tailah zum Langhaus Balai Haruyan. Dabei werden sie in einem Dorf unterwegs schon mal auf den einen oder anderen Tee eingeladen und so nimmt es nicht Wunder, dass der letzte Rest des Weges im Dunkeln zurueckgelegt wird. Tailah, das Schlitzoh, hat das so eingefädelt, denn auf diese Weise sehen die Beiden ganz Erstaunliches: Pilze, die im Dunkeln leuchten! Wahnsinn. Tailah rät allerdings vom Verzehr derselben ab…

In Haruyan angekommen, werden Hazel und Lie erst einmal vorsichtig beäugt, aber das Anbieten von Zigaretten (nur Nelkenzigaretten, alles andere verursacht nämlich böses Kopfweh!) und Bonbons bricht das Eis:

Hazel: Hajun-ka samoking? (Willst Du rauchen?)

Dorfältester: Ya, Hajun! (Ei freilich!)

Hazel: Alapp, alapp… (Nimm, nimm!)

Langhäeser sind die traditionellen Bauten der Dayak. Sie stehen auf Stelzen (zum Schutz vor Ungeziefer und zur Belüftung) und werden offenbar immer um eine grosse Halle errichtet, die das ‘balon adat’ enthält. Letzteres ist eine Art Heiligtum, das in Zeremoniem zur Pflanzung und Ernte des Reises eine grosse Rolle spielt. (Im Film sieht man es ein bisschen im Hintergrund, sobald Tailah und der Dorfälteste den Tanz hinlegen). Um diese Halle befinden sich die Wohnbereiche der Familien und auch Gästequartiere, in denen Liezel, beäugt von vielen Kindern die Nacht verbringen dürfen. Lustig sind die Dayak, vor 100 Jahren waren sie es nicht. Die Tradition der Kopfjagd ist zum Glück nicht mehr aktuell…

Am nächsten Tag gibts dann Djungeltrekking auf die derbe Tour. Nachdem es den ganzen Vormittag geregnet hat, kommt Lie einen besonders steilen Hang nicht hinauf. Also immer nur beinahe und dann gehts abwärts: Powerslide. Vermutlich lacht Ios (ein Dayakjunge, der uns netterweise begleitet hat und hell erfreut über die Info war, dass er wie eine griechische Insel heißt) immer noch. Berichtenswert ist auch die Tee-/Reiszubereitung im Djungel: Man nehme ein Bambusabteil vom großen, grünen Bambus, öffne es auf der einen Seite und stelle es ins Feuer. Fertig ist der Kochtopf.

In der nächsten Siedlung dürfen die Beiden dann in einem Privathaus übernachten. Die Hausherrin, etwa 50+, angetan mit einem überdimensionalen braunen BH und Monsterwarze auf der Backe, ist leider keine besonders begabte Köchin (findet Lie) und so hält er sich an die (leider recht ‘musikalischen’) gekochten Erdnüsse. Am Morgen sehen die Beiden dann noch etwas sehr Seltenes, und zwar ein Sonnenbaerbaby. Da es von den Dayaks gefangen wurde und Liezel einen Kloß im Hals haben vor Mitleid, gibts hiervon kein Photo. Der kleine Bär ist niedlich und hat sogar blaue Augen! Seine Überlebensaussichten gehen allerdings leider Richtung null. Hm.

Zurück in die Zivilisation ging es dann per Bambusfloß, ein Transportmittel, das in den Meratusbergen schon seit langem zur Güterbefoerderung verwendet wird und den Vorteil hat, dass man die Bambusstangen am Ziel ebenfalls verkaufen kann. Die Fahrt führt die Beiden noch einmal durch den unberührten, primären Regenwald. Ein tolles Erlebnis – die Romantik wird allerdings recht häufig durch Wasser von unten verdrängt).

Kelimutu

Kelimutu

Als naechstes steht auf Hazels & Lies Programm die “Hauptsehenswuerdigkeit” von Flores, und zwar Kelimutu. Dieser Vulkan in der Naehe des Bergdorfs Moni hat 3 verschiedenfaerbige Kraterseen, deren Farben sich ueber die Jahre auch immer wieder veraendern. Um sich dieses Naturschauspiel anzuschauen, stehen die Beiden um 4h auf. Belohnt wird man mit dem tollen Ausblick auf Bergsilhouetten, Meer und die Kraterseen bei Sonnenaufgang.

Und dann gehts auch gleich weiter mit dem public bus gen Osten. Eigentlich wollten Hazel und Lie mit der Faehre von Ende nach Kupang (Westtimor) fahren, aber weil die Faehrgesellschaft bankrott ist, entscheiden sich die beiden fuer einen Inlandsflug von Maumere nach Kupang.

Kommentar von Lie:

Flug kostet umgerechnet 40 EUR.

Nur so zur Info:

Essen ca. 1,5 EUR

Zimmer ca. 7-10 EUR (2 Personen)

Zigaretten 40 Cent die Packung

Bier Ca. 1,2 EUR

Gunung Rinjani – Gewaltmarsch

Gunung Rinjani – Gewaltmarsch


Beim Golf nennt man es Handicap. Beim Bergsteigen ist es einfach ein Fehler, zumindest wenn man Lie fragt. Das bisschen Berg? Wär ja gelacht…

Nein, das war nicht zum Lachen, vielleicht zum Lächeln (in etwa 10 bis 20 Jahren). Wie meinte der nette Rocky (interessanter Name übrigens) vom Rinjani Trekking Club? Wir holen Euch vom Hafen in Bangsal ab, no problem, und wenn Ihr ein bisschen spät dran seid? Dann geht Ihr eben etwas schneller. No problem. (Übrigens einer der ersten Sätze, die Asiaten auf Englisch lernen.)

  • No problem = Fehler/Handicap 1

Und warme Jacken?

  • No Problem = Fehler/Handicap 2

Wieso 4 Tage Trekken, wenn man das ganze in 2,5 Tagen machen kann?

  • No Problem = Fehler/Handicap 3

Also, die Beiden machen sich von den Gilis auf, werden wie verabredet von den Trekkingtypen am Hafen abgeholt und zur Rangerstation gebracht. Wenn sie nicht so naiv gewesen wären, hätte sie der Hinweis des Rangers:

Austrian? Ohhh, Schwarzenegger, high Mountains, Austrian strong! No problem!

schon irritiert, aber nein, sie verstehen es als Lokalkolorit und ab dafuer.

Also, was folgt ist ein absoluter Gewaltmarsch – über 1800 Höhenmeter in knapp sechs Stunden, durch Grasland (der Backofen), Eiseskälte auf 2.700 m (dem Kraterrand vulgo: Yetis delight) und dann, nachts um drei (Lie lässt diesen Part lieber sein, er ist so schon total im Eimer) der Aufstieg zum Gpifel (Anbetung des Windgottes) auf 3.726 m. Anmerkung von Hazel zum verhinderten Gipfelsturm: Leider konnten wir den Vulkan nicht ganz bezwingen. Da oben hats so geblasen, dass wir 200 Höhenmeter unterm Gipfel umkehren mussten. Bibbernd vor Kälte bin ich mit unserem Guide Sar, der übrigens noch mehr gefroren hat als ich, in einer windgeschützten Nische gesessen bis dann doch endlich die Sonne aufgegangen ist. Fazit des Aufstiegs: den halben Vulkan im Schuh, mit Lavastaub verklebte Augen und mehr schwarzes Zeug in der Nase als nach einem Halloweenfest im Gürtelkeller. Aber der Blick auf den Kratersee mit Minivulkankegel in der aufgehenden Sonne war unschlagbar. Am selben Tag gehts dann auch noch runter zum See (auf 2.000 m), wieder hoch auf 2.650 m und wieder runter auf 2.000 m zum Djungelcamp. Am nächsten Tag schließlich runter auf 600 m.

Lie sagt: Vulkane haben einen Nachteil: Es geht nicht nur rauf und wieder runter, wie bei einem “normalen” Berg, sondern 2 x rauf und 2 x runter…

Und dennoch: Hazel und Lie sind müde, aber glücklich: Eine Wahnsinnstour, mit Aussichten, die aus einem Fantasyroman stammen könnten. Es war Wahnsinn, aber wirklich toll!

Munduk, ganz weit draußen

Munduk, ganz weit draußen

Munduk also. Noch ein Stückchen weiter weg vom touristischen Bali. Hier sprechen nur relativ wenige Leute Englisch, also muss man z.T. gestikulieren um das zu bekommen, was man sich wünscht. Hazel und Lie kommen hier über eine Trekkingtour her (das Gepäck geht per Auto voraus) und beide sind total weg von der Djungeltour. Abgesehen von den drei unheimlich schönen unbekannten Wasserfällen (einer davon etwa 100 m hoch) sehen die beiden insgesamt knapp 40 Pflanzen in der Natur, deren Produkte wir z.T. täglich benutzen und dennoch keine Ahnung haben, wo sie eigentlich herkommen und wie sie aussehen. Ein paar Beispiele:

  • Kaffee (ein Busch; etwa mannshoch, mit grünen, später roten Kirschen, die, wenn man sie so isst ein bisschen nach Mango schmecken. Die Kerne (Kaffeebohnen) werden getrocknet und geröstet und schmecken als Balinesischer Kaffee einfach toll!
  • Kakao (ein Baum; die Früchte sehen aus wie Handgranaten und wachsen direkt aus dem Stamm. Es gibt gelbe, rote, und grüne, das Mark schmeckt nach Zitronenjoghurt, die Bohnen werden getrocknet und zerrieben und ergeben Kakaopulver.
  • Nelken (ein Baum; die Blüten riechen ungetrocknet wie wahnsinnig)
  • Muskatnuss (ein Baum; die Früchte sehen aus wie grosse Marillen. Im Innern ist die Nuss, mit einer roten Blüte, die ganz besonders toll schmeckt. Angeblich in Kombination mit Trompetrenbaumblüte eine Rauschdroge)
  • Betelnuss (ein Strauch; wenn man die Blätter kaut, färbt sich das Zahnfleisch rot und angeblich wird man auch high davon. Unser Guide hat eine Zipfelmütze auf und macht den Eindruck, die ganzen Pflanzen recht häufig persoenlich auszuprobieren…)
  • Pfeffer (ein Krautmit ribiselartigen Früchten. Getrocknet ergibt es weissen Pfeffer, fermentiert schwarzen)
  • Maniok (Wurzel, mit Klodeckelgrossen Blaettern)
  • Suesskartoffeln (Wurzel, unscheinbare Blattpflanze – urlecker!!!)
  • Jackfruit
  • Zitronen, Manadrinen, Bananen, Lychee usw.
  • Waschnuss (ein Baum, der Früchte traegt, mit deren Inhalt man Wäsche oder z.B. die Haende waschen kann)

Hazel erspäht dann noch eine (ungelogen) tellergrosse Spinne und gruselt sich. Nach Auskunft des Guides ist sie aber nur bei Verzehr giftig. Wer, um Himmels willen isst eine (so grosse) Spinne?

Als Tipp für alle, die in die Gegend kommen: Nehmt ein Zimmer im Puri Alam Bali in Munduk, die Aussicht vom Zimmer: 180 Grad Djungel, Vulkane, Hammer! Das ganze für knapp 10 Euro das Doppel (handeln!)