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Made in Laos

Made in Laos

Das mit dem Überreden hat geklappt, und so machen sich die Beiden für 3 Tage auf in den Nam Ha Nationalpark im Nordwesten von Laos, wo es auch wieder Akha-Dörfer zu erkunden gibt. Begleitet werden die 2 von ihrem Guide Sikham, der dem Stamm der Khmu angehört und bis vor 10 Jahren selbst in den Bergen gelebt hat. Er sagt, damals habe er keine Schuhe, kein Geld und keine Ahnung gehabt. Das Leben sei hart gewesen und jetzt gefalle es im besser. Nach einigen Lao Lao bekennt er sich dann zum Geisterglauben und weiß wirklich interessante Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel von den Geistern, an die die Khmu glauben (zB. Haus-, Wald- und Feldgeister) und wie man sie besänftigt. Außerdem erzählt er von den Tieren des Waldes, etwa von der Zibetkatze, die von einem Kuckuck überlistet wird, oder warum die Laoten einen bestimmten Vogel nicht essen (er gilt als Kuppler, und da will ma nix falsch machen, gell…).  Er ist auch noch ein Experte in Waldmedizin – Lie bekommt die Rinde eines Baumes zu kauen gegen den Husten, der ihn seit dem langen Marsch quält. Dann zeigt Sikham den Beiden eine Pflanze, deren Wurzel gekocht gegen Malaria hilft und eine Ameisenart, die als Gegengift bei Cobrabissen verwendet werden kann. An einigen Sachen wären die Beiden ohne den Führer wohl vorbeigelaufen, z.B. an den Feldopfern der Akha oder bestimmten Wegmarkierungen, die (dem eingeweihten Auge) zu verstehen geben, ob ein Weg passierbar ist oder nicht. Sikham ist eine Perle unter den Guides.

Ja, und so wandern Hazel und Lie durch den Dschungel, durch Bambuswälder, über Reisfelder, durchwaten Bäche, schwimmen in Flüssen, entfernen Blutegel von verschiedenen Koerperteilen, bestaunen die vielen Schmetterlinge und anderes wunderliches Getier und sind wieder sehr fasziniert von den Akhas und ihrer Lebensweise.

Die Beiden haben grosses Glück: Im 2. Dorf, das sie besuchen, findet am selben Tag eine Art Erntefest statt. Hazel und Lie werden dazu in das Haus eines Dorfbewohners eingeladen. Das Schwein, das am selben Nachmittag geopfert wurde um den Feldgeist positiv zu stimmen, damit es eine gute Ernte wird, liegt in verschiedenen Variationen (die meisten davon roh) am voll beladenen Tisch. Immer wenn eine der “Köstlichkeiten” zur Neige zu gehen droht, kommt eine der Akha Damen herbei und klatscht eine Handvoll Schweinegekröse oder herrlich schwabbelige Schweineschwarte auf den Tisch. Hmmmm.

Dass sich die Beiden darauf ausreden können schon zu Abend gegessen zu haben, hilft nicht viel. Der recht angetrunkene Akha-Jüngling neben Lie füttert ihn mit nicht näher definierbarem Zeug und schließlich ist es Lie egal – vielleicht weil er bereits Stammeswhiskey (zum Abtöten der Keime) intus hat – und kostet eine Made…und dann noch eine! Schmeckt angeblich wie Maroni, aber Hazel lehnt trotzdem dankend ab. (Am nächsten Tag zeigt Sikham den Beiden wie man die Maden “erntet” – sie leben in den Abteilen der Bambusstämme und fressen die saftige Innenschicht.)

Besonders lustig wirds als die Musi aufspielt – das heisst eigentlich ist es ein sich ständig wiederholender Rhytmus, der mit Holzstämmen auf einem Holzbrett gestampft wird. Das klingt dann so ähnlich wie der Takt von We will Rock You. Dazu kommt ein Gong und Tschinellen. Die Musik ist sehr ursprünglich, aber sehr tanzbar.

Ja, Ihr wisst schon was jetzt kommt, Ihr habt ja Hazel bei den Ngada gesehen, oder? Nachdem der Lie fütternde Akha-Jüngling einen Ausdruckstanz mit 2 Holzstöcken in der Hand hingelegt hat (Lie besteht darauf, dass es sich um einen Säbeltanz handelt), werden nach einander auch Lie und Hazel aufgefordert zu tanzen. Da man dabei von mehreren Damen mit Whiskey versorgt wird, fällt es schwer Sikhams Empfehlung zu folgen maximal 4 Stamperln zu trinken, damit der Weg am nächsten Tag nicht zu beschwerlich wird. Sikham selbst hält sich aber am wenigsten daran…und singt später Hazel und Lie in der “Ecolodge” sehr beschwingt ein Khmu-Gute-Nacht-Lied…

Im hohen Norden

Im hohen Norden

Phongsaly City

Nachdem Lie & Hazel wieder glücklich vereint sind und sich Lie von seinem langen Marsch erholt hat, gibts in Phongsaly einiges zu entdecken. Die Stadt liegt af 1400m, umgeben von Bergen und traditionellen Döfern. Viele Falangs verschlägts nicht in diese abgelegene Gegend: Außer den Beiden sind noch 2 Mädels da. Es geht wieder einmal sehr gemütlich zu. Um 6h in der Früh ertönen die Nachrichten (oder sowas ähnliches) und die Nationalhymne aus dem Lautsprecher, aber dann dauerts noch ein paar Stunden bis ein bisschen Bewegung in die Stadt kommt. Die Bäckerei (wo eine gute Frau in ihrem Wohnzimmer Baguettes aus dem Backofen holt), sperrt zum Beispiel erst um 15 Uhr auf.

Nicht nur am Markt merkt man, dass China nur einen Katzensprung entfernt ist. Abgesehen von allerlei chinesischen Produkten gibts hier lokale Spezialitäten wie gegrillte Maden und getrocknete Ratten (aber bitte wilde Waldratten, keine Hausratten – das ist anscheinend kulinarisch ein großer Unterschied!)

Glücklicherweise haben Hazel, Nemo und Shelley bei ihrem ersten Stadtspaziergang (als Lie sich gerade die Serpentinen hinaufquälte) beim örtlichen Tempel den Mönch Sompeth kennengelernt, der sich sehr über die Gelegenheit freut Englisch zu üben. Und prompt werden wir Falangs auch eingeladen ihm beim Englisch Unterrichten zu helfen – eine wirklich lustige Erfahrung. Die laotischen kids sind recht angetan von unserem ABC-Lied.

Akha-Trek

Nach 2 Tagen in Phongsaly juckts die Beiden dann im Wanderfuß und sie brechen auf um ein entlegenes Dorf des Akha-Bergstammes zu besuchen. Als Hazel und Lie nach 1 Stunde Busfahrt, 1 Stunde Bootsfahrt und 3 Stunden Wandern das Dorf auf 1000m erreichen, haben sie das Gefühl in einer ganz anderen Zeit und Welt angekommen zu sein. Die Lebenweise der Akha – vorallem die der Akha-Frauen – hat sich anscheinend seit Jahrhunderten nicht wesentlich verändert. Die Häuser haben einen gestampften Lehmboden, bestehen aus Holz und sind mit Reisstroh gedeckt. Klos gibts keine und als Dusche dient der Bach unterhalb des Dorfes.

Die Frauen tragen täglich ihre traditionelle Tracht, die aus handgewebten, mit Ebenholz gefärbtem Stoff besteht und mit bunten Stickereien verziert ist. Besonders schön ist der Kopfschmuck, an dem man verheiratete und unverheiratete Frauen erkennen kann. Er ist mit bunten Perlen, französischen Silbermünzen und Silberringen verziert. Der Busen hängt den Frauen, die gerade ein Baby zu Versorgen haben, jederzeit stillbereit aus dem Oberteil. (Leider wollten sich die Frauen und Kinder nicht fotographieren lassen, aber hier gibts schöne Akha-Fotos.) Die Herren sind “zeitgemäß” gekleidet. Während die Frauen, wie uns unser Guide erzählt, die meiste Arbeit verrichten (auch auf dem Reisefeld) und manche von ihnen ihr Leben lang das Dorf nicht verlassen, treten die Herren halt doch ab und zu den weiten Weg nach Phongsaly oder in andere Dörfer an.

Suk erzaehlt uns auch einiges über die örtlichen Sitten und Tabus. Hier ein paar Beispiele:

  • Geschwister dürfen sich gegenseitig keinen lao lao einschenken.
  • Eine Braut muss sich nach der Hochzeit 3 Monate lang das Gesicht verschleiern.
  • Der Reisbehälter darf nicht auf dem Tisch stehen.
  • Der Ausguss der Teekanne darf nicht zur Tür zeigen.

Die Beiden flashts also ganz schön. Auch das Abendessen ist wieder ein Erlebnis. Im Haus sitzt man auf niedrigen Holzstockerln (der Hintern tut einem bald weh…), daneben brennt ein kleines Feuer am Boden über dem alle möglichen haarigen Wildschweinteile zum Trocknen hängen. Die Speisen selbst sind eher undefinierbar, aber so genau will mans auch garnicht wissen. Außerdem sind die Beiden inzwischen ja einiges gewöhnt. Verdauenserleichternd wirkt der starke lao lao, den man auch zum Fruehstück bekommt! Sehr gut schmeckt auf jeden Fall der frisch geerntete Reis. Man schläft neben einigen Dorfbewohneren auf einer erhöhten Holzplattform auf einer dünnen Matte. Wenn man in der Nacht aus dem Haus geht, muss man aufpassen, dass man nicht auf die kleinen Schweine steigt, die sich vor der Haustür an die Muttersau kuscheln.

Am nächsten Tag verarztet Lie noch einige Kinder notdürftig mit dem kleinen mitgebrachten Erste-Hilfe-Kit. Es ist schon unglaublich wenn man bedenkt welche Wegstrecke die Menschen auf sich nehmen müssen um zu einem Arzt zu kommen und dass alltägliche Dinge wie Desinfektinsmittel, Verbände und Pflaster nicht vorhanden sind.

Dass seit der letzten Trockenzeit – also seit ca. 5 Monaten – keine Touristen mehr diesen Trek gemacht haben, merken Suk, Lie und Hazel auch daran, dass der Weg, den man zurück zum Fluss nimmt, völlig zugewachsen und daher kaum zu finden ist. Dazu kommt noch Hitze, jede Menge Gatsch (déjà vu), Büffelgacke und – hurra, was Neues! – Blutegel. Das sind kleine aber recht unangenehme Viecher, die sich unauffällig in die Schuhe oder die Hose bewegen und sich dort ansaugen (die können das auch durch die Socke!). Hazel ist nicht gerade glücklich über den Egel am Hintern, den Lie aber fachmännisch mit der Flamme des Feuerzeugs in die Flucht schlägt.

Tja, Lie hat vorerst genug vom Trekken, aber vielleicht kann ihn Hazel doch noch dazu überreden – im Nam Ha Nationalpark in Westen von Laos hätten sie dazu noch einmal Gelegenheit, bevor sie Südostasien via Bangkok verlassen…

Lies langer Marsch

Lies langer Marsch

In Hat Sa angekommen, werden die Beiden wieder einmal mit einem geldgierigen Sangtew-Fahrer (ein umgebauter Pickup, mit Bänken hinten drauf; das laotische Taxi-Aequivalent) konfrontiert. Dieser ist aber eine ganz spezielle Nummer. Nicht nur, dass er den doppelten Preis fordert, nein, er erhöht ihn auch noch, nachdem man sich schon einig war (Um der Geschichte vorzugreifen: Nach der Fahrt erhöht er den Preis nochmal – möge er in der Hölle der Wucherer zu einem daumennagelgrossen Stück Asche verbrennen.). Dazu kommt, dass Lie auf der Flussfahrt nach Hat Sa recht nass geworden ist und in der Nacht zuvor nicht viel geschlafen hat. Lie explodiert und ist nahe daran dem Herrn die Nase umzugestalten, als er sich entscheidet die Nacht in Hat Sa, dem “Flusshafen” von Phongsaly zu verbringen, nur um nicht mit dieser Arschkröte fahren zu müssen.

Ein Blick in das einzige Gästezimmer am Ort (supergrindig) überzeugt ihn, dass es (vor allem nach der Rattengeschichte) unfair wäre, Hazel in diese “a man’s gotta do what a man’s gotta do” -Geschichte hineinzuziehen. Hazel ist dankbar, die Beiden vereinbaren sich so schnell wie moeglich in Phongsaly zu treffen und so verbringen die Liezel die erste getrennte Nacht seit Monaten.

Anders als der erste Eindruck vermuten ließ, fühlt sich Lie in seiner Supergrinder-Suite durchaus wohl: Der Wirt stellt, nachdem er den Tisch auf der Veranda des Zimmers frenetisch gewienert hat (es wird das einzige saubere Stück in der Suite bleiben), eine Schale Suppe vor Lie hin. Dazu warmes Wasser und ein Flascherl Lao Lao. Das ganze (inklusive Zimmer) für 20000 kip ( ca. 1,5 EUR ). Passt eh.

Am nächsten Morgen macht sich Lie um sechs in der Früh auf mit dem Plan per Anhalter nach Phongsaly zu fahren. Sind ja nur 18 km. Aber: das einzige Auto, das Lie auf dem Weg sieht, ist ein WFP-Pickup, dessen Fahrer freundlich zurückwinkt, der aber nicht anhält. Und so läuft Lie die Strecke. Mit seinem ganzen Gepäck (12 kg) über ca. 1000 Hoehenmeter. Alptraum?

Nein, eigentlich nicht, denn die Gegend ist so schön und am Straßenrand finden sich unglaublich viele wunderschöne Blumen aller Art. Sobald die Sonne etwas aus den Wolken lugt, wird Lie von hunderten Schmetterlingen umflattert. Alle Größen, alle Arten – von handtellergroß bis mottenklein. Dazu finden sich überall kleine Quellen, aus denen man trinken kann, ab und zu wilde Bananen und sogar Pomelo-Bäume, deren Früchte einfach grandios den Durst stillen. Als Lie fast nicht mehr kann (2 km vor Phongsaly, was er nicht weiß) trifft er Sao, einen Vietnamkriegsveteran und laotischen Kommunisten mit dem er trotz seines sehr beschränkten Vokabulars (Sabaidee = Hallo und KopChai = Danke) mit Hilfe einer Weltkarte und einem Stock im Strassenstaub eine halbstündige politische Diskussion führt.

In Phongsaly sinkt er nach kurzer Suche in die Arme von Hazel und anschließend in das weiche Bett des recht sauberen Gästezimmers.

Den Nam Ou hinauf

Den Nam Ou hinauf

Lie: Laos ähnelt etwas einer Palme.

Hazel: Laos schaut aus wie Italien, nur ohne Schuh.

Lie: Da bleibt dann nix, ich meine, von Italien.

Hazel: Äh, wie heisstndes… Absatz … Ich mein Absatz. Italien schaut aus wie Laos, nur mit Absatz.

Gut. Macht Euch selbst ein Bild:

Also, wenn Laos so aussähe wie Italien, würden Liezel nach Trient fahren. Gut? Na gut.
Also. Die einzige Möglichkeit dorthinzukommen ist – der Titel lässt den Schluss zu – über den Nam Ou, einen Zufluss des Mekong, der in der Phongsaly Provinz entspringt. Genau dahin wollen die Liezels.

Erste Station ist Nong Kiaw. Liebe Microsoft-Hasser: Die Kartenlinks werden jetzt mal zu Live Search gehen. Google hat hier qualitativ nichts zu bieten, wohingegen der Grosse Bruder gute Massstäbe liefert. Kommentare bitte in die Rundablage.

Schon auf dem Weg dahin können die Beiden sehen, dass es offenbar vor kurzem eine Sturmflut oder zumindest einen sehr hohen Wasserstand am Nam Ou gegeben hat. Die Fussufer sind regelrecht verwüstet und manche Hütterln am Fluss zerstört. Die Laoten nehmen es mit einer unbegreiflichen Gelassenheit hin. Achselzuckend erzählen sie einem, dass der Fluss in der Regenzeit von einem recht unfreundlichen Drachen bewohnt wird, der halt ab und zu auszuckt.

Die Beiden finden trotzdem einen niedlichen, nicht weggespülten Bungalow am Fluss und nehmen eben statt einer Dusche ein Bad im Nam Ou. Schon am nächsten Tag gehts per Slowboat weiter nach Muang Ngoi, einem nur per Boot erreichbaren Dörfchen, wo sich die Beiden den Wanst mit Wildschwein, Sticky Rice und Früchten vollhauen und Tags darauf eine der schönsten Flussfahrten dieser Reise nach Mouang Khoua erleben. Der Wald am Ufer ist wild, die Bäume scheinen aufeinander zu wachsen statt nebeneinander. Jeder Stopp am Flussufer wird zu einer Begegnung mit den Dorfkindern, die Lie wieder mit Taschenspielertricks und Origami um den Finger wickelt.

In Mouang Khoua hat Hazel eine eher unangenehme Nacht (Lie auch, aber er tut halt so männlich). Nach neun Uhr (Schlafenszeit in Laos – der Strom ist aus) fängt es über den Beiden an zu trappeln und zu quietschen. Wers noch nicht erraten hat, der erfährt es jetzt: Ratten! Ehwww… Aber, es wird noch besser: Hazel muss nämlich aufs Klo und alles, was Lie vernimmt, ist ein schrilles Quietschen (nicht die Ratte) und dann ein Rumpeln (Wasserschöpfkelle, von Hazel zur Selbstverteidigung eingesetzt). Nach kurzer Begutachtung wird das Klo als unsicher eingestuft und von Hazel boykottiert.

Mit Staunen nimmt Lie zur Kenntnis, dass sich Hazel in dieser Nacht beigebracht hat, in eine leere Wasserflasche zu pinkeln. Ehwww…

Am nächsten Tag (die Beiden sind eher übernaechtigt) gehts weiter nach Hat Sa, dem “Flusshafen” von Phongsaly, ganz in der Nähe von China.