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Powerslide und Magic Mushrooms

Powerslide und Magic Mushrooms

Auf in den Regenwald! Als Führer heuern die Beiden Tailah (sprich Tyler) an, einen sehr originellen und leicht wirren Typen, der sich in den Meratus Mountains sehr gut auskennt und seit 30 Jahren Treks durch das Gebiet der Dayaks (die Ureinwohner von Borneo) organisiert. Die Meratus Berge sind immer noch fast vollständig mit Urwald bedeckt, was man vom Rest Borneos nicht behaupten kann. Viele Gebiete sehen z.B. so aus.

Übrigens noch ein paar Worte zum Umweltbewusstsein im Paradies: Die Müllbeseitigung à l’Indonesienne (ins Meer/den Fluss/den See) treibt den Beiden die Tränen in die Augen und der Umgang mit wilden Tieren ist zum Teil unerträglich. Hazel und Lie sind nicht der Meinung, dass man einen gut gefüllten Geldbeutel braucht, um sich Umweltbewusstsein leisten zu können. Vermutlich handelt es sich auch nicht um ein kulturelles Problem. Trotzdem sind Hazel und Lie immer wieder erstaunt mit welcher Nonchalance in Indonesien Natur zerstört wird. Die Beiden hoffen, das sich das bald ändern wird. Die meisten Indonesier, auf diese Zustände angesprochen, reagieren eher belustigt. Das wird sich sicher ändern, unabhängig von einem Happy end.

Hazel und Lie wandern mit Tailah zum Langhaus Balai Haruyan. Dabei werden sie in einem Dorf unterwegs schon mal auf den einen oder anderen Tee eingeladen und so nimmt es nicht Wunder, dass der letzte Rest des Weges im Dunkeln zurueckgelegt wird. Tailah, das Schlitzoh, hat das so eingefädelt, denn auf diese Weise sehen die Beiden ganz Erstaunliches: Pilze, die im Dunkeln leuchten! Wahnsinn. Tailah rät allerdings vom Verzehr derselben ab…

In Haruyan angekommen, werden Hazel und Lie erst einmal vorsichtig beäugt, aber das Anbieten von Zigaretten (nur Nelkenzigaretten, alles andere verursacht nämlich böses Kopfweh!) und Bonbons bricht das Eis:

Hazel: Hajun-ka samoking? (Willst Du rauchen?)

Dorfältester: Ya, Hajun! (Ei freilich!)

Hazel: Alapp, alapp… (Nimm, nimm!)

Langhäeser sind die traditionellen Bauten der Dayak. Sie stehen auf Stelzen (zum Schutz vor Ungeziefer und zur Belüftung) und werden offenbar immer um eine grosse Halle errichtet, die das ‘balon adat’ enthält. Letzteres ist eine Art Heiligtum, das in Zeremoniem zur Pflanzung und Ernte des Reises eine grosse Rolle spielt. (Im Film sieht man es ein bisschen im Hintergrund, sobald Tailah und der Dorfälteste den Tanz hinlegen). Um diese Halle befinden sich die Wohnbereiche der Familien und auch Gästequartiere, in denen Liezel, beäugt von vielen Kindern die Nacht verbringen dürfen. Lustig sind die Dayak, vor 100 Jahren waren sie es nicht. Die Tradition der Kopfjagd ist zum Glück nicht mehr aktuell…

Am nächsten Tag gibts dann Djungeltrekking auf die derbe Tour. Nachdem es den ganzen Vormittag geregnet hat, kommt Lie einen besonders steilen Hang nicht hinauf. Also immer nur beinahe und dann gehts abwärts: Powerslide. Vermutlich lacht Ios (ein Dayakjunge, der uns netterweise begleitet hat und hell erfreut über die Info war, dass er wie eine griechische Insel heißt) immer noch. Berichtenswert ist auch die Tee-/Reiszubereitung im Djungel: Man nehme ein Bambusabteil vom großen, grünen Bambus, öffne es auf der einen Seite und stelle es ins Feuer. Fertig ist der Kochtopf.

In der nächsten Siedlung dürfen die Beiden dann in einem Privathaus übernachten. Die Hausherrin, etwa 50+, angetan mit einem überdimensionalen braunen BH und Monsterwarze auf der Backe, ist leider keine besonders begabte Köchin (findet Lie) und so hält er sich an die (leider recht ‘musikalischen’) gekochten Erdnüsse. Am Morgen sehen die Beiden dann noch etwas sehr Seltenes, und zwar ein Sonnenbaerbaby. Da es von den Dayaks gefangen wurde und Liezel einen Kloß im Hals haben vor Mitleid, gibts hiervon kein Photo. Der kleine Bär ist niedlich und hat sogar blaue Augen! Seine Überlebensaussichten gehen allerdings leider Richtung null. Hm.

Zurück in die Zivilisation ging es dann per Bambusfloß, ein Transportmittel, das in den Meratusbergen schon seit langem zur Güterbefoerderung verwendet wird und den Vorteil hat, dass man die Bambusstangen am Ziel ebenfalls verkaufen kann. Die Fahrt führt die Beiden noch einmal durch den unberührten, primären Regenwald. Ein tolles Erlebnis – die Romantik wird allerdings recht häufig durch Wasser von unten verdrängt).

Zu Besuch bei Verwandten

Zu Besuch bei Verwandten

Nach einer langwierigen und schweißtreibendenden Anreise (20 Stunden im Bus) erreichen Hazel und Lie den Tanjung Puting Nationalpark – ein Highlight ihrer Reise! Gabriele und Mauro (zwei sehr nette Italiener, deren Bekanntschaft die Beiden in Banjarmansin gemacht haben), haben praktischerweise schon ein Boot gechartert und so kann es nach einem gemeinsamen Einkauf am Markt (u.a. Hendlkrallen für die Suppe, frisches Gemüse, Shrimps, Fisch, Mangos) losgehen: die beste und gemütlichste Art den Nationalpark zu besuchen ist nämlich mit einem Boot, auf dem man auch übernachtet, die tanninfarbenen Flüsse hinunterzuschippern und zwischendurch auszusteigen um sich die Flora & Fauna anzuschauen.

Vom Boot aus sieht man am dicht bewachsenen Flussufer verschiedene Affen- und Vogelarten (z.B. bunte Eisvögel) und viele Schmetterlinge. Die männlichen proboscis monkeys oder long-nosed monkeys schauen sehr lustig aus: Mit ihren gurkenähnlichen Nasen locken sie die Weibchen an und sind mit der Strategie anscheinend sehr erfolgreich: Immerhin leben sie in Haremsgruppen. Die Nase dient ausserdem als Resonanzkörper. Von den Einheimischen werden diese Affen (die nur in Borneo vorkommen) übrigens Dutch monkeys genannt…Die Krokos, die es angeblich in den Flüssen gibt, lassen sich nicht blicken, zumindest nicht, wenn man das Baden im Fluss sein lässt. In der Nacht blinken hunderte Glühwürmchen in den Bäumen wie Lichterketten – das ist wie im Märchen.
All das wird noch von den Stars des Nationalparks getoppt, den vom Aussterben bedrohten Orang Utans, die es außer auf Borneo nur noch auf Sumatra gibt. Ihnen zuzuschauen wie sie klettern, von Baum zu Baum turnen, Bananen mampfen, Nasenbohren und anderen recht menschlich anmutenden Betätigungen nachgehen, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Die wuscheligen Affenjungen, die an ihren Mamas hängen, sind unheimlich herzig. Laut Guide Andy heißt der Regenwald übrigens deswegen so, weil die Orang Utans hoch oben von den Bäumen runterpinkeln – auch das haben die Beiden live miterlebt.
Nach der gemütlichen Bootsfahrt verbringen sie noch einen Tag & eine Nacht im Tanjung Harapan Dorf und mchen sich beim Kanu fahren mit ihren Paddelkünsten bei den Einheimischen lächerlich (wobei Hazel zugeben muss, dass der Lie da der Begabtere ist und sie die meiste Zeit chauffiert).
Inzwischen sind die Beiden – wieder nach 20 Stunden im Bus – zurück in Banjarmansin. Übermorgen folgt das nächste Abenteuer: Ein 3-Tages-Regenwaldtrek mit Rückfahrt am Bambusfloß…

Banjarmasin, ein bisschen wie Venedig

Banjarmasin, ein bisschen wie Venedig

… nur ohne Palazzi.

Die Beiden sind in Borneo angekommen und zwar in Banjarmasin, einer sehr angenehmen Stadt im Süden der Insel. Wie es sich gehört, bezieht man die Suite des besten Hauses am Platze und macht sich per Klotok (hiesige Version des Flussschiffs) an die Erkundung der Wasserwege Banjarmasins. Wieder kommen sich Hazel und Lie wie Berühmtheiten vor, denn die Kinder (und auch die Erwachsenen) in den Pfahlbauten an den Kanalufern begrüßen Sie frenetisch, paddeln für einen “high five” Händeklatscher auf den Fluss hinaus und geraten zum Teil in ekstatische Verzückung ob des seltenen Anblicks gleich mehrerer Langnasen.

Die Beiden sind sich nicht ganz sicher, ob Sie diese Aufmerksamkeiten (zurück in Europa) vermissen werden. Das soll jetzt nicht das Klischee der durch Publicity genervten Diva werden, aber so viel Aufmerksamkeit kann auch anstrengend sein. Vor allem wenn man das Gefühl hat diese nicht zu verdienen. Lie kann zwar tolle Töne machen und Hazel ist eh super, aber Huldigungen wie bei einem Staatsoberhaupt? Andererseits ist die Freude der Leute echt und jeder reißt sich ein Bein aus, den Beiden den Weg zu zeigen (man traut sich kaum einen Stadtplan anzuschauen) oder sonstwie behilflich zu sein.

Ein echter Knaller ist das Frühstueck am schwimmenden Markt. Für knapp einen Euro werden vier Leute satt, man krallt sich die Sachen mit einem Piekestock vom Nachbarboot und kaut auf beiden Backen. Dazu gibts den allgegenwärtigen (sehr guten) Tee und leckeren Kaffee. Es lässt sich leben.

Morgen brechen die Beiden nach Süden auf um im Tanjung Puting National Park Waldmenschen (Orang Utans) zu gucken.