Category Archives: Indonesien

The Pelni Experience

The Pelni Experience

Zum Glueck sind Hazel und Lie in der Lage Dinge in Frage zu stellen. Andernfalls waere es unmoeglich in Asien zu Reisen. Das Problem:

“Jam karet”

Woertlich uebersetzt: Gummistunde. Es gibt keinen festen Fahrplan. Auch nicht fuer grosse Schiffe. Was soll das Genoele, koennte man fragen, schliesslich machen die Beiden keinen Kurzurlaub in Sankt Kathrein, aber die Schwierigkeiten sind nicht so ohne… Der Zeitpunkt der Abfaht wird diskursiv-statistisch ermittelt. Im konkreten Fall muss man die Locals fragen, wann das Schiff denn nun abfaehrt. Leider sind die Molukken nicht gerade polyglott und die Beiden tun sich , was das Indonesische betrifft immer noch recht schwer. Alles was Sie zusammenbringen ist:

Apa jam kapal pelni pelabuhan meninggalkan? (Was Stunde Schiff Pelni Hafen verlassen?)

Die Antwort der Locals muss man auch noch verstehen. Dazu kommen dann noch einige – nennen wir Sie interkulturelle – Missverstaendnisse (Ein Indonesier wird in der Regel nicht zugeben, dass er etwas nicht weiss, denn der Trottel ist per definitionem der Tourist*). Also muss man viele Male fragen und sodann das arithmetische Mittel bilden. Dazu kommt dann noch, das oft ein bissi getroedelt wird (im Falle der KM Bukit Siguntang nur 15 Stunden). Ausserdem ist die Kartenvergabe ein sozialer Prozess, es gibt keine Kontingente (etwa nach Plaetzen in Rettungsbooten, oder Schwimmwesten) Karten bekommt einfach jeder und solange er will. Gut daran ist zweifellos, das sich jeder darauf verlassen kann mitgenommen zu werden, egal wann er kommt. Das Schlechteste ist das Chaos beim betreten des Schiffes. Da der Platz auf Fussboeden, Treppen und Decks begrenzt ist, will jeder als erstes auf das Schiff, um sich die besten Ecken zu sichern. Dabei werden die aussteigenden Passqagiere gerne uebersehen und es kommt zu einem unvorstellbaren Gedraenge, das der eine oder andere Gauner nutzt um ein paar Geldboersen zu ziehen.
Und dann, an Bord? Waeren wir britisch, wuerden wir sagen, die Siguntang war leicht ueberfuellt und schlecht desodoriert. Aber – genug gejammert – wir hatten Karten fuer die 2. Klasse, das Schiff ist nicht untergegangen und die Banda Inseln sind ein echtes Paradies. In diesem Sinne: Schiff ahoi!

*Also ist die Frage, ob man Tourist ist, eine selten gestellte, aber besonders subtile Form des Kompliments und muss als solche gewuerdigt werden.

Regen in der Kampfzone

Regen in der Kampfzone

Die Beiden fliegen von Kupang aus nach Kota Ambon, mit einer (recht holprigen) Zwischenlandung auf einer ganz kleinen, sehr trockenen Insel (Kehli) auf der es Hazel gelingt, hinter einen Busch auf dem Rollfeld zu pinkeln (mach das mal in Frankfurt!), waehrend Lie ein Zigarettchen raucht und sich mit dem Copiloten anfreundet.

Dieser freundliche Herr gestattet Lie, im Cockpit weiterzufliegen (waehrend er im Koran blaettert). Die “Windschutzscheibe” oder wie das bei Flugzeugen heisst, ist mit Zeitungspapier verhaengt, aber vor dem Sinkflug wird diese improvisierte Sonnenblende abgenommen (offenbar die Standardprzedur). Lie erstarrt beinahe, als die Landung beginnt und er in der buchstaeblichen zweiten Reihe sitzt. Dabei vergisst er leider, mit der Kamera draufzuhalten…

Ambon dann, ein seltsamer Platz – Handtellergrosse Schmetterlinge und bluehende Natur – und eine Stadt, die Aufgrund religioeser Auseinandersetzungen vor knapp sehn Jahren ganz erheblich gelitten hat und immer noch aussieht, wie ein tropisches Beirut. Dazu das erstemal richtiger Regen. Hmmmm. Ein Tipp zum Schluss: Oase im etwas abweisenden Kota Ambon ist das Guesthouse von Pak Hekkers im Pondok Wisata Lestari (0911- 355596).

West Timor mit Dreck im Ohr

West Timor mit Dreck im Ohr

Hazel und Lie hatten vor, in Ost-Timor das Visum fuer Indonesien zu erneuern. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt… Nachdem der Ost-Timoresische Praesident im Februar fast erschossen wurde und die indonesische Botschaft eine mehr als uebliche Art des Bummelstreiks goennt (Augenzeugen berichten von 6 Arbeitstagen Bearbeitungszeit ohne Bestechung), haben sich die Beiden entschlossen, das Ganze anders anzugehen. Flexibilitaet ist in Asien keine Tugend, sondern eine Notwendigkeit. Also gehts erstmal nach Ambon (und dann die Banda Islands), und dann ueber Jakarta nach Kuala Lumpur und erst dann nach Borneo.

Zwischendurch folgen wir der Surferschar (so viele sind es nicht, die Beiden sind meistens die einzigen Nicht-Einheimischen) nach Nembrala auf Rote, eine Insel suedwestlich von Timor. Man lebt hier recht guenstig in Vollpension (lecker!) fuer 7 EUR und hat, wenn man will den ganzen Strand fuer sich. Ausserdem eine Eskorte aus Hunden uns Schweinen jeder Farbe und Groesse. Ein Bild fuer Goetter ist eine Schweinefamilie, die vor dem tropischen Sonnenuntergangspanorama den Strand mit Ihren Schnauzen aufroeffen.

In Kupang, auf West-Timor haengen die Zwei recht gediegen im Pantai Timor ab, schlendern ueber den Night Market und trinken froehliche Gin-Tonics im L’Avalon. Das Leben ist schoen, die Menschen gut und die Welt rund…

Kelimutu

Kelimutu

Als naechstes steht auf Hazels & Lies Programm die “Hauptsehenswuerdigkeit” von Flores, und zwar Kelimutu. Dieser Vulkan in der Naehe des Bergdorfs Moni hat 3 verschiedenfaerbige Kraterseen, deren Farben sich ueber die Jahre auch immer wieder veraendern. Um sich dieses Naturschauspiel anzuschauen, stehen die Beiden um 4h auf. Belohnt wird man mit dem tollen Ausblick auf Bergsilhouetten, Meer und die Kraterseen bei Sonnenaufgang.

Und dann gehts auch gleich weiter mit dem public bus gen Osten. Eigentlich wollten Hazel und Lie mit der Faehre von Ende nach Kupang (Westtimor) fahren, aber weil die Faehrgesellschaft bankrott ist, entscheiden sich die beiden fuer einen Inlandsflug von Maumere nach Kupang.

Kommentar von Lie:

Flug kostet umgerechnet 40 EUR.

Nur so zur Info:

Essen ca. 1,5 EUR

Zimmer ca. 7-10 EUR (2 Personen)

Zigaretten 40 Cent die Packung

Bier Ca. 1,2 EUR

Hazel, die weisse Ngada

Hazel, die weisse Ngada

In Bajawa stolpern Hazel und Lie ueber William, der sie zu einer Feier in sein Heimatdorf (Wolowoi) einlaedt. Die Beiden haben sich keinerlei Gedanken ueber das Ausmass Ihres Gluecks gemacht, aber als Sie sich Palmwein trinkend (aus der Lontarpalme) und Betelnuss kauend in der Huette von Williams Onkel wiederfinden, realisieren sie, dass sie eine unvergessliche Erfahrung machen werden.

Das Volk der Ngada lebt um Bajawa herum und ist seit einigen Jahrzehnten offiziell christlich, tatsaechlich glauben sie an die Geister ihrer Ahnen, die Sie entweder beschuetzen, wenn sich die Ngada ordentlich auffuehren, oder sich auch raechen, falls man die Ahnen und die Traditionen vernachlaessigt. die Ngada vererben ueber die weibliche Linie und sind matriarchalisch organisiert. Die Clans werden durch eigenartige Gebilde in der Dorfmitte repraesentiert und jeder Clan zerfaellt in einen Wurzelteil und einen Astteil. Dazu kommt noch ein dreigliedriges Kastensystem, was dazu fuehrt, dass das Heiraten nicht ganz einfach ist. So wie Hazel und Lie das verstanden haben, ist es fuer Oberklasse-Damen sehr schwer, einen passenden Partner zu finden (aber das soll ja auch in Wien so sein …)

Die Feier, in die die Beiden geraten sind, war eine Art Richtfest fuer das Gebaeude, das Ihr Euch bei den Bildern anschauen koennt. Ein vergleichbares Fest wird nur alle paar Jahre gefeiert und die Beiden waren mitten drin.

Ganz unbefangen wurden Hazel & Lie in jedes Haus eingeladen, ueberall gab es fuer die Beiden was zu Essen und zu Trinken. Nur die Kinder waren anfangs recht scheu. Blickte man Sie direkt an, verdufteten sie so schnell sie konnten, um unmittelbar darauf wiederzukommen und diese seltsamen Gaeste in Augenschein zu nehmen. Nach einer Weile wurden Sie dann zutraulicher und haben sich von Lie das “Stein-Schere-Papier”-Spiel beibringen lassen. Spaeter hingen sie wie eine Traube um Hazel & Lie herum und wollten fotographiert werden. Viele Dorfbewohner haben Hazel & Lie sofort und immer wieder mit Fragen bombardiert, grosszuegig ignorierend, dass die Beiden kein Ngada und Sie kein Englisch sprechen. Die Waerme, Freundlichkeit und Neugier dieser Leute hat Hazel & Lie beeindruckt, wie nichts zuvor auf dieser Reise.

Hazel wurde dann sogar eingeladen, an den rituellen Taenzen teilzunehmen, was sie auch bravuroes hinbekommen hat. Nachdem Sie von zwei Dorfschoenheiten (eine davon war ganz offensichtlich an Lie als Ehegespons interessiert) in Originaltracht eingekleidet wurde, legte sie einen gekonnten two-step auf den Dorfplatz.

Hazel und Lie sind bis zum Abend geblieben und werden diesen Tag nie vergessen. Die Ngada haben die Beiden auch fuer den naechsten Tag zum rituellen Tieropfer eingeladen (drei Wasserbueffel), aber zu dieser Zeit sassen die Beiden schon im Bus nach Moni.