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Gare de Gèneve

by Lie, 27. September 2012

Lie muss jetzt wirklich nach Hause: heute hat er sich von der netten Dame in Lyon einen feinen Plan ausdrucken lassen, mit dem er (ein Bad im Genfer See inklusive) ganz gemütlich Richtung Ösiland hätte tuckern können – wenn nicht, ja wenn Lie nicht ein Problem mit der Unterscheidung von G-Städten hätte. Zum Glück ist er nicht nach Gent abgereist, sondern „nur“ nach Grenoble in den Savoyen… Das bedeutet nicht nur, dass er jetzt den ganzen Tag (und die Nacht) durch Italien gondeln kann (es ist Sonntag. Der Christenheit sei gedankt: Heut fährt nur die Hälfte der Züge) und zwar bis runter nach Modena (die Dame vom SNCF in Grenoble war zwar nett, aber irgendwie scheint mir das doch eine eigenartige Route); nein! Es bedeutet auch, dass Lie wieder den obergeschissenen Nachtzug Mailand – Wien nehmen kann in dem es so kuschlig warm wird, plus Aufzahlung für Liegewagen. Hrmpf. Lie schwört: Er bleibt dann erstmal z’haus und lern Lesen. Kurz darauf, Lie sitzt vor dem Bahnhof in der Sonne, taucht ein schmächtiger, irgendwie verdächtig aussehender Savoyarde wie aus dem Nichts auf und beugt sich über Lie. „Kann ich helfen?“ Fragt Lie (leicht genervt) Savoiarde: „Also ich wohne hier um die Ecke, das ist jetzt keine Geschichte“ (Ab hier weiß Lie, asiengestählt wie er ist, dass es ein Gschichtl ist) „und gerade eben hat mir einer die Tasche gestohlen.“ Lie: „Oh, das tut mir leid.“ Savoyarde: „und da dachte ich mir, Sie wären möglicherweise bereit mir das Geld für den Schlüsselservice vorzustrecken – ich überweise Ihnen das Geld ganz ganz sicher.“ Lie (verdreht die Augen): „Sollten wir nicht vielleicht die Polizei rufen“, er nestelt an seinem Handy, „ich meine: Um den Diebstahl zu melden.“ Der Savoyarde versucht sich noch kurz in einem verbalen Erste-Hilfe-Manöver, aber es wird nix und bevor im Lie noch ein paar Tipps aus dem hundsschlechten Buch „Social Engineering“ mit auf den Weg geben kann (seine Story könnte schon noch ein gewisses Raffinement vertragen, findet Lie) schleicht er sich ebenso unauffällig wie er aufgetaucht ist. Gut das Lie nicht geschlafen hat, sonst wär er jetzt mittellos im gschissenen Grenoble. Darüber, dass das nicht passiert ist freut sich Lie dann doch. Wirklich super in Grenoble. Muss man gewesen sein!

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