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Odessa

by Lie, 25. Juli 2011

Wie kam es eigentlich dazu, das Liezel nach Odessa reisen wollten? Lie hatte einen Traum – einen sehr wirren – und am nächsten Tag wollte er unbedingt in die Ukraine. Mehr lässt sich leider nicht rekonstruieren. Durch finanzielle und moralische Unterstützung vieler lieber Leute (und der damit verbundenen unerfreulichen Tatsache, dass er im schwäbischen Sinne Weise geworden ist) konnte sich dieser Traum verwirklichen lassen.

Aber genug davon: Odessa ist wunderbar. Liezel hatten sich in aller Ignoranz ein sprichwörtliches Sofia am Meer vorgestellt (ohne Sofia zu kennen), aber weit gefehlt. Zwar ist die Stadt (und das Land) ganz schön anders – man zahlt etwa den Bus nicht beim Einsteigen, sondern beim Aussteigen, aber die prachtvollen Boulevards und gemütlichen Lokale erinnern an Paris. Dazu kommt ein ganz deutlicher maritimer Einschlag, der auch im Wappen der Stadt (ein Anker mit vier Flunkern) seinen Niederschlag gefunden hat. Im Zusammenspiel mit dem von Hazel fachmännisch ausgesuchten – sehr luxuriösen – Hotel fühlen sich die Beiden wie in einem Roman der Belle Epoque (allerdings ohne die Kalamitäten).

Emilia passt auch ganz ins literarische Bild. Adrett gekleidet und mit besten Manieren führt sie die Beiden durch ein Labyrinth aus Muschelkalksteinschächten. Urprünglich als Steinbruch für das erst 1794 gegründe Odessa gegraben, erstrecken sich die Gänge unterhalb der Stadt gut 2000 km. Sie haben in der kurzen Geschichte der Stadt Schmugglern (Odessa war lange Freihafen), Gaunern und zuletzt sowjetischen Partisanen Unterschlupf gewährt. Der Muschelkalk verschluckt schon nach wenigen Metern Licht und Schall. Emilia führt die Beiden nur ein paar Meter weiter ums Eck und die lärmende Besuchergruppe ist nicht mehr zu hören. Als sie dann noch die Taschenlampe ausmacht wird es unangenem… Emilia sagt, dass man hier schon nach zwei Stunden akustische Halluzinationen kriegt. Angeblich soll das an dem Rauschen der vielen Muscheln im Kalk liegen. Lie ist skeptisch, aber die Katakomben haben wirklich Gruselqualität. Zusammen mit den WK 2 Exponaten kommt eine ganz und gar nicht belle epoquehafte Stimmung auf.

Übrigens Geschichte: Odessa wurde keineswegs an der Stelle einer altgriechischen Siedlung gebaut. Das antike Odessos war eine miletische Kolonie in der Nähe des heutigen Warna. Zarin Katharina II hat – sehr feministisch möchte man sagen – bei der Namensfindung für den zukünftigen Militärhafen Neurusslands auf die weibliche Form des Namens bestanden.

Odessa – a Wahnsinn.

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