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Anderland: Albanien

by Lie, 6. Juli 2010

In Albanien ist alles anders.  Soviel ist uns schon klar, als wir uns (mit unserem Gruene-Karten-Gruselgefuehl) darauf gefasst machen nun ein paar Albanische Grenzbeamte ueberreden zu muessen uns ins Land zu lassen, aber siehe da: Es gibt keine albanische Grenzkontrolle. Jenfalls haben wir sie nicht gesehen. Bald darauf ueberquert man auf einer Holzbruecke (!) einen Fluss und man ist da. Im Land mit der hoechsten Mercedes-Benz-Dichte (bei zugleich geringstem Bruttosozialprodukt) und den vermutlich meissten Esel- und Pferdewagen in Europa. Weiters faellt uns auf, dass die Mercedcesbesitzer offenbar einen recht aussergewoehnlichen Hang zu sauberen Autos bei gleichzeitig ziemlich staubigen Strassen haben, denn Albanien besitzt auch die hoechste Dichte an Autowaschanlagen (Lahvazh special: oft nur ein kleiner Kaercher, mit Wasch-Schackl). Seltsam. Der Hang zu Automobilzentrierten Geschaeftsmodellen erklaert vermutlich auch die wirklich abartig hohe Tankstellendichte und -diversitaet. Es gibt hier mindestens 40 verschiedene Tankstellenketten, mit teils amuesanten Namen (z.B. EuroDrin – die Zapfsaeule zeigte aber den Spritpreis in deutscher Mark an. Das wunderte Lie schon, gabt ihm aber auch ein gutes, nostalgisches Gefuehl). Seltsam ist auch, dass man in Albanien nicht nickt, wenn man zustimmt, sondern den Kopf schuettelt. Die Leser koennen sich sicher vorstellen, wie das die (ohnehin schwierige, da beiderseits durch Sprachlosigkeit gepraegte) Kommunikation behindert. Wundern  tun sich die Beiden auch darueber, dass es hier mehr Kirchen als Moschjeen gibt, obwohl das Land zu etwa 70 Prozent muslimisch ist. Hm.

Da Liezel ausserdem mit dem Auto unterwegs sind und die Strassen hier manchmal ok, in der Regel aber in die Kategorie „Vollsperrung“ fallen duerften, haben sie einen guten Eindtruck davon, wie krass es auf den Strassen zugeht. Metertiefe Schlagloecher. Dirtroads. Erdrutsche usw., geisterfahrende Fahrradfahrer, Gegegenverkehr auf dem Zubringer und Parken auf der Autobahn suedlich von Durres. Irrlichternde Kuehe, Esel, Menschen und die schon legendaere Tolldreistigkeit beim Ueberholen. Hazel fasst es so zusammen:

wer zoegert, verliert

Die Beiden passen sich an und fahren jetzt auch wie manisch-besessene. In Wien wuerden sie entweder sofort verhaftet oder ins Krankenhaus eingeliefert. Lie findet, Autofahren in Albanien sei wie in einem Computerspiel. Hazel meint es sei bloed, dass man nur ein Leben habe (Liebe Muttis, war nur Spass, wir fahren IMMER 30 km/h, echt!) Hier eine kleine Szene:

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Abgesehen davon faellt Liezel auf, dass hier in Albanien mit Muell so umgegangen wird wie in Indonesien – z.B. betrachtet Hazel gerade einen sehr schoenen Gebirgsbach, der in den Komanisee fliesst, als die gerade aufkommende, wild-romantische Stimmung durch eine Bierdose gestoert wird, die ein freundlich grinsender Herr in Hohem Bogen ins Gewaesser wirft. Ende der Neunziger war Albanien angeblich voellig muellfrei, da man seinerzeit noch alles wiederverwertet hat. Hm.

In Berat sehen die Beiden das historische Albanien, das es leider ueberwiegend nicht in die Gegenwart geschafft hat, weil es in Albanien (wie in dem damals verbuendeten China) auch eine kleine Kulturrevolution gegeben hat. Enver Hoxa hat sie ermoeglicht. Hier kann man ein wenig dazu lesen. Die Bunker, die in Albanien buchstaeblich ueberall rumstehen stammen aus dieser Zeit (das Bild, das man sich wohl von diesem Regime machen sollte wird durch die Geschichte dieser Bunker abgerundet: Getestet wurden sie auf Hoxas Wunsch, indem man den leitenden Ingenieur in einen dieser Bunker eingesperrt, und diesen dann von einem Panzer beschiessen lies. Als der Ingenieur danach nich ganz tot war, konnte die Massenfertigung beginnen. Es wurden mehr als 600.000 davon gebaut und aufgestellt. Bunkermentalitaet, gell?)

Ueberall, besonders aber im Norden und im Sueden des Landes (es verschlaegt die Beiden noch an einen recht netten Strand an der ionischen Kueste Albaniens) lernen die Beiden aber unheimlich nette Menschen kennen und die Natur ist wunderbar. Liezel geniessen die Reise in vollen Zuegen.

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