Monthly Archives: Juni 2010

Bucht von Kotor

Bucht von Kotor

Liezel ziehts in den Sueden. Der Durmitor Nationalpark ist wirklich super, keine Frage, aber temperatur- und wettermaessig gaebs da momentan doch einiges zu optimieren. Man koennte glauben es ist April, nicht Sommer. Nach der Tara-Raftingtour setzen sich die Beiden also in ihren Olli und fahren Richtung Bucht von Kotor. Die Landschaft bleibt spektakulaer – wilde Schluchten und Berge, aber wie bestellt steigt die Temperatur stetig an und die Sonne setzt sich durch. Nach relativ langem, wirren Herumgekurve auf einer Halbinsel vor der Bucht finden die Beiden ein tolles – noch dazu kostenloses, da wahrscheinlich nicht ganz legales – Zeltplatzl in einem kleinen Olivenhain gleich ums Eck von einer schoenen Kiesbucht. Dort werden schon intensive Vorkehrungen fuer den Juli/August-Ansturm getroffen, aber inzwischen ist es noch recht ruhig.

Nach einem gemuetlichen Faultag am Strand machen sich die Beiden dann  auf die beruehmte Bucht von Kotor zu erkunden, die unglaublich schoen ist. Die Bucht ist so tief, dass das Meer quasi einen verzweigten Fjord bildet, und es gibt unzaehlige kleine Inseln, Orte, Kirchen, Kloester, Festungen und die Berge drum herum zu entdecken.

Crna Gora

Crna Gora

Crna Gora, der schwarze Berg ist die Bezeichnung, die die Venezianer dem Ort gegeben haben. Und bergig ist es hier. Die Liezel suchen sich sogar das bergigste Stueck  Land raus, das sie finden koennen: Durmitor.  Liezel naehrn sich von Nordwest im Landesinneren. Zuerst muss allerdings noch die Grenze passiert werden. Was sich als nicht allzu einfach herausstellt, denn, Ihr liebe Leser ahnt es schon: Die gruene Karte. DIE GRUENE KARTE!!!

Also, die Bosnier wollten uns nicht raus und die Montenegriner nicht rein lassen. Als es den Bosniern am Ende selbst komisch vorkam, dass man eine nur in Bosnien gueltige Versicherung kaufen soll, wenn man das Land verlaesst (so die urspruenglische Rechtsauslegung der Grenz-Schackl) lassen sie uns (ein “Trinkgeld” spaeter) zwar ausreisen, aber die unheimlich netten, aber sehr sturen Montenegriner sind ein anderes Kaliber. Selbst als Lie die Anwaltsnummer abzieht (jeden einzeln nach dem Namen fragen, diesen wichtig in ein Notizbuch notieren, jeden eindringlich mustern, so tun als ob man mit der Botschaft telefoniert) bleiben sie hart. Vermutlich funktioniert die Anwaltsshow schlechter, wenn man ein mit Bluemchen beklebtes Auto faehrt und ein T-Shirt mit der Aufschrift “665 the neigbour of the beast” traegt. Aber irritiert und ein bissi eingeschuechtert war man doch. Egal, eine gruene Karte fuer Montenegro und Serbien gekauft, die ominoese Oeko-Tax abgedrueckt und ab dafuer.

Dann bloederweise die falsche Abfahrt genommen, gewundert, weil seit ner Stunde kein Auto mehr entgegenkam und am Ende standen die Beiden vor einer klassischen Schotterpiste. Serpentinen, ueber Kilometer… Ein nettes Baeuerlein bestaetigt den Weg (Lie wurde mit Handschlag begruesst, verstand nur Bahnhof von seiner Rede, allerdings Asfalt und Kilometr schon, na immerhin. Das dankbar genuschelte “toi e Dobro” wurde gepriesen wie die ersten Worte des Enkels. Echt feine Menschen hier!). Und dann sehen die Beiden einen echten Eidechsenwoscher (halber Meter mindestens, erbsguen) und einen wahrhaftigen Wiedehopf und nach einer alpraumhaften (Ab-)rutschpartie mit Ollie wirklich unglaubliche Mengen Wiesenblumen auf einer Hochebene. So etwas haben beide noch nie gesehen!

Noch ein Wort zu Ollie: So ein braves Autochen gibts nicht nochmal! Vereinigt japanisch-oesterreichische Tugendbuendel: Fleissig, sparsam, bescheiden, gmiatlich, trinkfest (liebe Oesis: sucht Euch doch mal Eure Tugenden aus!)

Im Nationalpark treffen die Beiden dann eine nette Dame namens Anna ueber deren mysterioese Vergangenheit nur herausgefunden werden kann, dass sie Deutsche ist, in Zabljak lebt, Oesterreich liebt und sich sehr gut im Park auskennt. Sie schickt die Beiden auf eine wunderbare vier-Bergseen Tour und anschliessend zum Wildwasserraften in die Taraschlucht. Eine Wahnsinnsgegend, fast so tief wie der Grand Canyon! Und dann gehts auch schon weiter an die Bucht von Kotor!

Sarajewo

Sarajewo

Liezel fahren durchs wilde Bosnien nach Sarajewo. Obwohl es hier weniger Ruinen gibt, als in Mostar, scheint der Krieg hier noch praesenter zu sein. Vielleicht liegt das an der sozialistischen “Zuckerbaeckerarchitektur”, die eigentlich jede Stadt in Exjugoslavien verschandelt, aber in Sarajewo besonders? Lie als bekennendem Salonmarxisten faellt es schwer zuzugeben, aber die Kommunisten hatten nix am Hut mit schoenem Bauen. Also warum ist der Krieg hier naeher? Schwer zu sagen. Vielleicht ist es auch der Hauch Weltuntergangsstimmung der an der Starssenecke aufkommt, die sich Herr Princip fuer seinen Anschlag auf Oesterreich-Ungarn ausgesucht hat? Hazel sind sich nicht sicher. Sarajewo ist ein eigenartiger, schoener, haesslicher und schwermuetiger Ort.

Illegaler Grenzuebertritt

Illegaler Grenzuebertritt

Nachdem Liezel (wiedermal) ganz knapp die Faehre hier erwischt haben geht es nun wirklich in den wilden Balkan. Nach Bosnien naemlich. Geplant ist der Grenzuebertritt in Metkovic. Allerdings raecht sich nun der laxe Umgang mit den Versicherungen (oder deren uebler Umgang mit Liezel). In einer wahrhaft orientalisch anmutenden Szene teilte uns der Zollschackl (liebe Piefke: Schackl ist eine ziemlich herabwuerdigende Bezeichnung fuer einen Amtstraeger, wie immer gibts keine entsprechung im Hochdeutschen) mit:

Du kommscht hier nid rein. Bosnische gruene Karte kaufen, verstanden?

Also, der Onkel vom Onkel des bosnischen Innenministers hat eine Versicherungsgesellschaft, die wiederum an Umsatzschwaeche leidet und deshalb braucht man eine gruene (aber bosnisch gruen, gell!) Versicherungskarte und das, wo die Beiden noch nicht mal eine weisse haben. Theoretisch koennte man eine solche (praktischerweise) in der Bude nebenan fuer schlappe 20 Euro erwerben. Aber Liezel probieren es anders.

Hazel reichen dem Schackl nacheinander:

  1. eine abgelaufene gruene Karte mit einem anderen Kennzeichen.
  2. die gschissene Mitgliedskarte bei der gschissenen Donau Versicherung
  3. den Cook Island Fuehrerschein von Lie
  4. eine gruene (immerhin) Merkur Kundenkarte
  5. eine Visitenkarte von Dr. Karft, vom Lindeverlag

aber nix hilft. Nicht mal Dr. Kraft. Die Beiden sind sowas von uneinsichtig! 20 Euronen fuer eine Versicherung die sie eh nicht brauchen, weil der Olli die Unfallvermeidungsautomatik schon eingebaut hat. Also nix da, Schackl.

Hazel sagt: Geh Oida, samma in Europa, oda? Seids ned so kompliziert!

Weit davon entfernt aufzugeben (oder doch, ein bissi) fahren die Beiden weiter und dann kommt der bosnische Meereszugang, wo man fuer ein paar Kilometer ueber bosnisches Gebiet fahren muss und dorthin reicht offenbar der lange Arm des Onkels des Onkels nicht hin. Liezel biegen kurz entschlossen links ab und fahren durch recht wildes Gelaende, unter Auffindung einer verwunschenen Festungsruine aus ottomanischer Zeit ueber Schleichwege nach Mostar.  Hier sieht man noch reichlich Kriegsspuren, aber die Innenstadt ist phantastisch wieder aufgebaut. Mit einem netten Glaeschen (und einer Internetsession anschliessend) klingt Liezels erstes Abenteuer aus.

Acqua alta in Trogir und Lavendel auf Hvar

Acqua alta in Trogir und Lavendel auf Hvar

Nach Zadar gehts natuerlich gleich weiter – Liezel haben ja noch einiges vor! In Trogir machen die Beiden einen Stopp und spazieren durch die engen, mittelalterlichen – teilweise ein bissl ueberschwemmten – Gasserln. Anscheinend hats auch hier in letzter Zeit mehr geregnet als ueblich.

Dann duesen sie nach Split und sind eine Stunde spaeter schon auf der Faehre nach Hvar. Dort blueht um diese Jahreszeit der Lavendel. Ausserdem sind Inseln immer gut. Auf einer Insel ist man noch ein bissl weiter weg von allem als sonstwo.  Und Boot fahren bzw. halt Faehre taugt den Beiden sowieso.

Auf Hvar angelangt, muss man sich nur noch entscheiden, welchen Campingplatz man waehlt – “Nudist Camp” an der Nordkueste oder Camp Lili an der Suedkuste. Weil die Beiden nudistisch nicht so erfahren sind (Muss man da auch bei 12 Grad nackert herumrennen, nackert das Zelt aufbauen und so??) (und auch aus anderen Gruenden), entscheiden sie sich fuer die Suedkueste. Die Landschaft ist wunderschoen – kleine Orte mit Steinhaeusern und Campanile-artigen Kirchtuermen, Lavendel, Rosmarin und Salbei duftet ueberall, und dann faehrt man noch durch einen entrischen, stollenartigen one-way-Tunnel und kommt an der Suedseite der Insel wieder raus.

Der Campingplatz ist genial – Terrassen direkt oberhalb eines Steilabbruchs zum Meer, mit kleiner Kiesbucht. Diesmal klappts auch mit den Zeltaufbau (dank Hammer aus Trogir – und weicherem Boden); und nach frisch gegrillten Cevapcici schlafen die Beiden bei Meeresrauschen besser als in jedem Bett.

Am naechsten Tagen erkunden sie die schoenen Orte Stari Grad und Hvar, baden in einer tollen Kiesbucht und essen herrlichen Fisch. Nach der 2. Nacht in Camp Lili fahren sie an die Ostkueste, um von dort ans Festland zuruckzukehren. Naechstes Ziel: Mostar!