Phongsaly City
Nachdem Lie & Hazel wieder glücklich vereint sind und sich Lie von seinem langen Marsch erholt hat, gibts in Phongsaly einiges zu entdecken. Die Stadt liegt af 1400m, umgeben von Bergen und traditionellen Döfern. Viele Falangs verschlägts nicht in diese abgelegene Gegend: Außer den Beiden sind noch 2 Mädels da. Es geht wieder einmal sehr gemütlich zu. Um 6h in der Früh ertönen die Nachrichten (oder sowas ähnliches) und die Nationalhymne aus dem Lautsprecher, aber dann dauerts noch ein paar Stunden bis ein bisschen Bewegung in die Stadt kommt. Die Bäckerei (wo eine gute Frau in ihrem Wohnzimmer Baguettes aus dem Backofen holt), sperrt zum Beispiel erst um 15 Uhr auf.
Nicht nur am Markt merkt man, dass China nur einen Katzensprung entfernt ist. Abgesehen von allerlei chinesischen Produkten gibts hier lokale Spezialitäten wie gegrillte Maden und getrocknete Ratten (aber bitte wilde Waldratten, keine Hausratten – das ist anscheinend kulinarisch ein großer Unterschied!)
Glücklicherweise haben Hazel, Nemo und Shelley bei ihrem ersten Stadtspaziergang (als Lie sich gerade die Serpentinen hinaufquälte) beim örtlichen Tempel den Mönch Sompeth kennengelernt, der sich sehr über die Gelegenheit freut Englisch zu üben. Und prompt werden wir Falangs auch eingeladen ihm beim Englisch Unterrichten zu helfen – eine wirklich lustige Erfahrung. Die laotischen kids sind recht angetan von unserem ABC-Lied.
Akha-Trek
Nach 2 Tagen in Phongsaly juckts die Beiden dann im Wanderfuß und sie brechen auf um ein entlegenes Dorf des Akha-Bergstammes zu besuchen. Als Hazel und Lie nach 1 Stunde Busfahrt, 1 Stunde Bootsfahrt und 3 Stunden Wandern das Dorf auf 1000m erreichen, haben sie das Gefühl in einer ganz anderen Zeit und Welt angekommen zu sein. Die Lebenweise der Akha – vorallem die der Akha-Frauen – hat sich anscheinend seit Jahrhunderten nicht wesentlich verändert. Die Häuser haben einen gestampften Lehmboden, bestehen aus Holz und sind mit Reisstroh gedeckt. Klos gibts keine und als Dusche dient der Bach unterhalb des Dorfes.
Die Frauen tragen täglich ihre traditionelle Tracht, die aus handgewebten, mit Ebenholz gefärbtem Stoff besteht und mit bunten Stickereien verziert ist. Besonders schön ist der Kopfschmuck, an dem man verheiratete und unverheiratete Frauen erkennen kann. Er ist mit bunten Perlen, französischen Silbermünzen und Silberringen verziert. Der Busen hängt den Frauen, die gerade ein Baby zu Versorgen haben, jederzeit stillbereit aus dem Oberteil. (Leider wollten sich die Frauen und Kinder nicht fotographieren lassen, aber hier gibts schöne Akha-Fotos.) Die Herren sind “zeitgemäß” gekleidet. Während die Frauen, wie uns unser Guide erzählt, die meiste Arbeit verrichten (auch auf dem Reisefeld) und manche von ihnen ihr Leben lang das Dorf nicht verlassen, treten die Herren halt doch ab und zu den weiten Weg nach Phongsaly oder in andere Dörfer an.
Suk erzaehlt uns auch einiges über die örtlichen Sitten und Tabus. Hier ein paar Beispiele:
- Geschwister dürfen sich gegenseitig keinen lao lao einschenken.
- Eine Braut muss sich nach der Hochzeit 3 Monate lang das Gesicht verschleiern.
- Der Reisbehälter darf nicht auf dem Tisch stehen.
- Der Ausguss der Teekanne darf nicht zur Tür zeigen.
Die Beiden flashts also ganz schön. Auch das Abendessen ist wieder ein Erlebnis. Im Haus sitzt man auf niedrigen Holzstockerln (der Hintern tut einem bald weh…), daneben brennt ein kleines Feuer am Boden über dem alle möglichen haarigen Wildschweinteile zum Trocknen hängen. Die Speisen selbst sind eher undefinierbar, aber so genau will mans auch garnicht wissen. Außerdem sind die Beiden inzwischen ja einiges gewöhnt. Verdauenserleichternd wirkt der starke lao lao, den man auch zum Fruehstück bekommt! Sehr gut schmeckt auf jeden Fall der frisch geerntete Reis. Man schläft neben einigen Dorfbewohneren auf einer erhöhten Holzplattform auf einer dünnen Matte. Wenn man in der Nacht aus dem Haus geht, muss man aufpassen, dass man nicht auf die kleinen Schweine steigt, die sich vor der Haustür an die Muttersau kuscheln.
Am nächsten Tag verarztet Lie noch einige Kinder notdürftig mit dem kleinen mitgebrachten Erste-Hilfe-Kit. Es ist schon unglaublich wenn man bedenkt welche Wegstrecke die Menschen auf sich nehmen müssen um zu einem Arzt zu kommen und dass alltägliche Dinge wie Desinfektinsmittel, Verbände und Pflaster nicht vorhanden sind.
Dass seit der letzten Trockenzeit – also seit ca. 5 Monaten – keine Touristen mehr diesen Trek gemacht haben, merken Suk, Lie und Hazel auch daran, dass der Weg, den man zurück zum Fluss nimmt, völlig zugewachsen und daher kaum zu finden ist. Dazu kommt noch Hitze, jede Menge Gatsch (déjà vu), Büffelgacke und – hurra, was Neues! – Blutegel. Das sind kleine aber recht unangenehme Viecher, die sich unauffällig in die Schuhe oder die Hose bewegen und sich dort ansaugen (die können das auch durch die Socke!). Hazel ist nicht gerade glücklich über den Egel am Hintern, den Lie aber fachmännisch mit der Flamme des Feuerzeugs in die Flucht schlägt.
Tja, Lie hat vorerst genug vom Trekken, aber vielleicht kann ihn Hazel doch noch dazu überreden – im Nam Ha Nationalpark in Westen von Laos hätten sie dazu noch einmal Gelegenheit, bevor sie Südostasien via Bangkok verlassen…