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The Great Escape

by Lie, 8. August 2008

Was machen Hazel und Lie auf einem hölzernen Boot, mitten im Meer von Seram? Aus Banda Neira abhauen! Aber wieso? Eine lange, aber spannende Geschichte…
Die Beiden hätten den (recht beiläufigen) Hinweis im „Lonely Planet“ durchaus ernstgenommen, wenn das Buch nicht in einem Taxi liegengeblieben wäre:

Always double-check your flight back to Ambon. Flights are often cancelled due to bad weather.

Hazel und Lie brauchen (wie aufmerksame Leser wissen) eine Visaverlängerung und wollen per Flugzeug über Jakarta nach Kuala Lumpur aus und dann wieder einreisen. Aber es kommt anders.

Sonntag 3. August

Abba, der Ermöglicher, Gschaftlhuber und Hansdampf (Vermieter der Unterkunft auf Banda Neira) verkündet, dass das Merpati Flugzeug (die bereits erwähnte Casa 212) Saumlaki nicht verlassen hat und es eventuell zu Verspätungen kommen könnte.

Montag 4. August

Tatsächlich, das Flugzeug fliegt nicht (Hati hati Merpati). Das bedeutet, dass die Beiden frühestens am 13. mit der Bukit Siguntang nach Ambon schippern können. (wenn das Datum stimmt – jam karet). Tendenziell gar nicht so übel noch eine Woche im tropischen Paradies. Wäre da nicht die Tatsache, das Liezel (danke Rupi, ist besser als: die Beiden) alle Anschlussflüge verpassen und natürlich der Leviathan – die indonesische Einwanderungsbehörde. Jeder Tag Visaüberschreitung kostet mal eben 200.000 Rupien (ca. 14 EUR) pro Nase.

Die Zeit ist also reif für ein Abenteuer. Lie macht sich mit Abba auf den Weg zum Hafen und quatscht mit den Kapitänen. Nach ein paar fruchtlosen Versuchen haben Sie Glück und stoßen auf Käptn Sajah (lustigerweise bedeutet der Name übersetzt: „nur“ – eine Anspielung auf seine Verhandlungstaktik?). Sajah ist ein alter Kumpel von Abba (Abba kennt jeden und jeder kennt Abba). Nach etwas Palaver und einem Einstandspreis von 4 Mio. Rupien (280 EUR) wird Pak Sajah auf 3,3 Mio. (235 EUR) runtergehandelt, woraufhin Michel und Jaqueline beschließen mitzukommen. Nachdem sich die Nachricht einer Expedition in Banda Neira rumgesprochen hat (etwa nach 7,5 Minuten) stößt Agil (ein netter Typ, den Hazel und Lie auf Banda Ai kennengelernt haben) ebenfalls dazu und schließlich finden sich noch zwei namenlose (und etwas eigenartige Franzosen) – sie verpennen quasi die gesamte Überfahrt nach Ceram.

Dienstag 5. August

Um fünf Uhr ist es noch stockdunkel, als die Beiden die Bue‘ Rica, ein typisch indonesisches hölzernes Kargoschiff (ca. 12 m lang, 3 m breit) besteigen und bei strömendem Regen und recht heftigem Wind von Neira nach Norden in Richtung Seram losschippern. Trotz des Windes und trotz der Anfangs recht hohen Wellen (Michel spricht von 5 – 10 Metern und er dürfte recht haben) verläuft die Schiffsreise sehr angenehm. Noch in der Nähe von Banda Besar werden Delphine gesichtet, später dann ein Schwarm Gelbflossen-Thunfische und zum Schluss noch fliegende Fische.
Lie wundert sich über die faustgroßen Löcher im Beiboot (ein Kanu aus Kanary-Holz). Nach Ankunft in Tehoru müssen Hazel und Lie mit diesem Kanu (Hazel sogar mit zwei Rucksäcken) an Land paddeln – nur um zu erfahren, dass die Küstenstrasse nach Amahai von den Regenfällen der letzten paar Tage überschwemmt wurde und fünf Bruecken nicht mehr passierbar sind.

Nach einer Übernachtung in einer Unterkunft der Kategorie „vollkrass“ geht es weiter. Mit dem Bemo (regelmäßig überfüllter japanischer Kleinbuss) zur ersten kaputten Brücke und dann zu Fuss über den Fluss in das nächste Bemo. Das muss natürlich organisiert werden, und wie immer bei Naturkatastrophen macht einer ein gutes Geschaeft. In diesem Fall die Busfahrer. Dieser spezielle Bemofahrer möchte Lie für das viele Geld was bieten und zeigen, was er kann: Aus unerfindlichen Gründen weicht er auf das Straßenbankett aus. Natürlich bleibt er da stecken und natürlich gibt er Vollgas und später fährt er sogar noch zurück (weiter in den Straßengraben). Beim (erfolgreichen) Versuch die Karre aus dem Dreck zu schieben, wird Lie von einer Matschfontäne ‚verschoenert‘. Macht ja nüscht, aber was soll das?

Nach der zweiten Brücke erfahren Liezel – oh Wunder – die dritte Bruecke sei angeblich in Ordnung (by Seramese standards). Nur: 0,5 km später hatten die Regenfälle die Straße gleich ganz weggespült und Liezel können einen neuen, nicht kartographierten Fluss bewundern. Zu Fuss drüber und noch ein Bemo, seufz. Aber dann gehts für die Beiden ganz glatt weiter – sogar die Fähre wird erreicht und dann ab nach Ambon.

Hier können die Beiden, dank Herrn Jan Hekkers, Chef des Lestari Guesthouse, eine Visaverlängerung organisieren und müssen nun gar nicht mehr nach Malaysia. Hilfreich ist dabei ein wenig „Zigarettengeld“ – Hazel glaubt übrigens, dass alle Indonesier rauchen, weil es sonst keinen Grund fürs Zigarettengeld gäbe… Ein Kumpel von Abba namens Edi verkauft die Flugtickets nach Jakarta und bringt uns die Kohle ins Hotel! Hazel quatscht außerdem so lange auf die Hotline-Dame bei Lionair ein, bis diese bereit ist uns einen Teil des Flugpreises nach Kuala Lumpur zurückzugeben. Hazel ist ganz schoen hartnäckig. Echt jetzt.

Am Ende war der ganze Aufriss vermutlich billiger als der Ausflug nach Malaysia es gewesen wäre.

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