Monthly Archives: August 2008

Singapur – Shop till u drop

Singapur – Shop till u drop

Singapur ist… toll, ganz besonders als Kontrast und zwar in jeder Hinsicht. Wien ist eh ein Dorf, aber gegen diese Stadt ist es ein Dörfchen. Und hektisch gehts hier zu – wir sind inzwischen eher die indonesische Gummizeit gewöhnt und erschrecken, wenns ein Busfahrer eilig hat (undenkbar in Indonesien!). Außerdem werden die Singaporesen durchaus mal ein wenig lauter… auch ungewohnt. Aber zugleich ist Singapur China, Malaysia, ein bisschen Arabien und außerdem natuerlich Indien – um jede Ecke trifft man ein anderes Faszinosum.

Und wenn es nur die Regulationswut der hiesigen Verwaltung ist. Man hat den Eindruck, dass die Damen und Herren ganz genau wissen was gut für jeden Bewohner der Stadt ist, besser als dieser selbst. Durchsagen in der U-Bahn können durchaus wie folgt lauten:

Wenn Sie verdächtige Personen oder Gegenstände beobachten, zögern Sie nicht, die Behörde davon zu unterrichten…

Na, gruselts? Die Beiden auch irgendwie… Aber sie haben selten eine sauberere und geordnetere Großstadt gesehen als Singapur. Und der Konsum. Konsum, Konsum!!! Einkaufen ist hier keine Beschäftigung sondern die pure Bürgerpflicht. Hazel kommt ihr angemessen nach. Lie kauft sich eine gecrackte PSP und zwar zu einem unschlagbaren Preis! Alles Computerzeugs kostet hier ca 50 % von dem, was man in Europa dafür hinblättern muss.

Liezel pennen übrigens das erste Mal auf der Reise in einem Dorm, das heißt in einem Schlafsaal für 20 Personen. Erstaunlicherweise schlafen sie da besser als im tollsten Hotelzimmer. Vielleicht ist es das doch intensive Rumgebotte (liebe Ösis: gemeint ist herumhatschen) in Singapur? Oder das wunderbare Tiger Beer? Die Beiden schlafen so fest, dass Sie es nicht mal merken als der junge Mann im Stockbett unter Hazel auf ihre Schuhe speibt (liebe Piefkes, gemeint ist: kotzen) …

Besser so!

Powerslide und Magic Mushrooms

Powerslide und Magic Mushrooms

Auf in den Regenwald! Als Führer heuern die Beiden Tailah (sprich Tyler) an, einen sehr originellen und leicht wirren Typen, der sich in den Meratus Mountains sehr gut auskennt und seit 30 Jahren Treks durch das Gebiet der Dayaks (die Ureinwohner von Borneo) organisiert. Die Meratus Berge sind immer noch fast vollständig mit Urwald bedeckt, was man vom Rest Borneos nicht behaupten kann. Viele Gebiete sehen z.B. so aus.

Übrigens noch ein paar Worte zum Umweltbewusstsein im Paradies: Die Müllbeseitigung à l’Indonesienne (ins Meer/den Fluss/den See) treibt den Beiden die Tränen in die Augen und der Umgang mit wilden Tieren ist zum Teil unerträglich. Hazel und Lie sind nicht der Meinung, dass man einen gut gefüllten Geldbeutel braucht, um sich Umweltbewusstsein leisten zu können. Vermutlich handelt es sich auch nicht um ein kulturelles Problem. Trotzdem sind Hazel und Lie immer wieder erstaunt mit welcher Nonchalance in Indonesien Natur zerstört wird. Die Beiden hoffen, das sich das bald ändern wird. Die meisten Indonesier, auf diese Zustände angesprochen, reagieren eher belustigt. Das wird sich sicher ändern, unabhängig von einem Happy end.

Hazel und Lie wandern mit Tailah zum Langhaus Balai Haruyan. Dabei werden sie in einem Dorf unterwegs schon mal auf den einen oder anderen Tee eingeladen und so nimmt es nicht Wunder, dass der letzte Rest des Weges im Dunkeln zurueckgelegt wird. Tailah, das Schlitzoh, hat das so eingefädelt, denn auf diese Weise sehen die Beiden ganz Erstaunliches: Pilze, die im Dunkeln leuchten! Wahnsinn. Tailah rät allerdings vom Verzehr derselben ab…

In Haruyan angekommen, werden Hazel und Lie erst einmal vorsichtig beäugt, aber das Anbieten von Zigaretten (nur Nelkenzigaretten, alles andere verursacht nämlich böses Kopfweh!) und Bonbons bricht das Eis:

Hazel: Hajun-ka samoking? (Willst Du rauchen?)

Dorfältester: Ya, Hajun! (Ei freilich!)

Hazel: Alapp, alapp… (Nimm, nimm!)

Langhäeser sind die traditionellen Bauten der Dayak. Sie stehen auf Stelzen (zum Schutz vor Ungeziefer und zur Belüftung) und werden offenbar immer um eine grosse Halle errichtet, die das ‘balon adat’ enthält. Letzteres ist eine Art Heiligtum, das in Zeremoniem zur Pflanzung und Ernte des Reises eine grosse Rolle spielt. (Im Film sieht man es ein bisschen im Hintergrund, sobald Tailah und der Dorfälteste den Tanz hinlegen). Um diese Halle befinden sich die Wohnbereiche der Familien und auch Gästequartiere, in denen Liezel, beäugt von vielen Kindern die Nacht verbringen dürfen. Lustig sind die Dayak, vor 100 Jahren waren sie es nicht. Die Tradition der Kopfjagd ist zum Glück nicht mehr aktuell…

Am nächsten Tag gibts dann Djungeltrekking auf die derbe Tour. Nachdem es den ganzen Vormittag geregnet hat, kommt Lie einen besonders steilen Hang nicht hinauf. Also immer nur beinahe und dann gehts abwärts: Powerslide. Vermutlich lacht Ios (ein Dayakjunge, der uns netterweise begleitet hat und hell erfreut über die Info war, dass er wie eine griechische Insel heißt) immer noch. Berichtenswert ist auch die Tee-/Reiszubereitung im Djungel: Man nehme ein Bambusabteil vom großen, grünen Bambus, öffne es auf der einen Seite und stelle es ins Feuer. Fertig ist der Kochtopf.

In der nächsten Siedlung dürfen die Beiden dann in einem Privathaus übernachten. Die Hausherrin, etwa 50+, angetan mit einem überdimensionalen braunen BH und Monsterwarze auf der Backe, ist leider keine besonders begabte Köchin (findet Lie) und so hält er sich an die (leider recht ‘musikalischen’) gekochten Erdnüsse. Am Morgen sehen die Beiden dann noch etwas sehr Seltenes, und zwar ein Sonnenbaerbaby. Da es von den Dayaks gefangen wurde und Liezel einen Kloß im Hals haben vor Mitleid, gibts hiervon kein Photo. Der kleine Bär ist niedlich und hat sogar blaue Augen! Seine Überlebensaussichten gehen allerdings leider Richtung null. Hm.

Zurück in die Zivilisation ging es dann per Bambusfloß, ein Transportmittel, das in den Meratusbergen schon seit langem zur Güterbefoerderung verwendet wird und den Vorteil hat, dass man die Bambusstangen am Ziel ebenfalls verkaufen kann. Die Fahrt führt die Beiden noch einmal durch den unberührten, primären Regenwald. Ein tolles Erlebnis – die Romantik wird allerdings recht häufig durch Wasser von unten verdrängt).

Zu Besuch bei Verwandten

Zu Besuch bei Verwandten

Nach einer langwierigen und schweißtreibendenden Anreise (20 Stunden im Bus) erreichen Hazel und Lie den Tanjung Puting Nationalpark – ein Highlight ihrer Reise! Gabriele und Mauro (zwei sehr nette Italiener, deren Bekanntschaft die Beiden in Banjarmansin gemacht haben), haben praktischerweise schon ein Boot gechartert und so kann es nach einem gemeinsamen Einkauf am Markt (u.a. Hendlkrallen für die Suppe, frisches Gemüse, Shrimps, Fisch, Mangos) losgehen: die beste und gemütlichste Art den Nationalpark zu besuchen ist nämlich mit einem Boot, auf dem man auch übernachtet, die tanninfarbenen Flüsse hinunterzuschippern und zwischendurch auszusteigen um sich die Flora & Fauna anzuschauen.

Vom Boot aus sieht man am dicht bewachsenen Flussufer verschiedene Affen- und Vogelarten (z.B. bunte Eisvögel) und viele Schmetterlinge. Die männlichen proboscis monkeys oder long-nosed monkeys schauen sehr lustig aus: Mit ihren gurkenähnlichen Nasen locken sie die Weibchen an und sind mit der Strategie anscheinend sehr erfolgreich: Immerhin leben sie in Haremsgruppen. Die Nase dient ausserdem als Resonanzkörper. Von den Einheimischen werden diese Affen (die nur in Borneo vorkommen) übrigens Dutch monkeys genannt…Die Krokos, die es angeblich in den Flüssen gibt, lassen sich nicht blicken, zumindest nicht, wenn man das Baden im Fluss sein lässt. In der Nacht blinken hunderte Glühwürmchen in den Bäumen wie Lichterketten – das ist wie im Märchen.
All das wird noch von den Stars des Nationalparks getoppt, den vom Aussterben bedrohten Orang Utans, die es außer auf Borneo nur noch auf Sumatra gibt. Ihnen zuzuschauen wie sie klettern, von Baum zu Baum turnen, Bananen mampfen, Nasenbohren und anderen recht menschlich anmutenden Betätigungen nachgehen, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Die wuscheligen Affenjungen, die an ihren Mamas hängen, sind unheimlich herzig. Laut Guide Andy heißt der Regenwald übrigens deswegen so, weil die Orang Utans hoch oben von den Bäumen runterpinkeln – auch das haben die Beiden live miterlebt.
Nach der gemütlichen Bootsfahrt verbringen sie noch einen Tag & eine Nacht im Tanjung Harapan Dorf und mchen sich beim Kanu fahren mit ihren Paddelkünsten bei den Einheimischen lächerlich (wobei Hazel zugeben muss, dass der Lie da der Begabtere ist und sie die meiste Zeit chauffiert).
Inzwischen sind die Beiden – wieder nach 20 Stunden im Bus – zurück in Banjarmansin. Übermorgen folgt das nächste Abenteuer: Ein 3-Tages-Regenwaldtrek mit Rückfahrt am Bambusfloß…

Banjarmasin, ein bisschen wie Venedig

Banjarmasin, ein bisschen wie Venedig

… nur ohne Palazzi.

Die Beiden sind in Borneo angekommen und zwar in Banjarmasin, einer sehr angenehmen Stadt im Süden der Insel. Wie es sich gehört, bezieht man die Suite des besten Hauses am Platze und macht sich per Klotok (hiesige Version des Flussschiffs) an die Erkundung der Wasserwege Banjarmasins. Wieder kommen sich Hazel und Lie wie Berühmtheiten vor, denn die Kinder (und auch die Erwachsenen) in den Pfahlbauten an den Kanalufern begrüßen Sie frenetisch, paddeln für einen “high five” Händeklatscher auf den Fluss hinaus und geraten zum Teil in ekstatische Verzückung ob des seltenen Anblicks gleich mehrerer Langnasen.

Die Beiden sind sich nicht ganz sicher, ob Sie diese Aufmerksamkeiten (zurück in Europa) vermissen werden. Das soll jetzt nicht das Klischee der durch Publicity genervten Diva werden, aber so viel Aufmerksamkeit kann auch anstrengend sein. Vor allem wenn man das Gefühl hat diese nicht zu verdienen. Lie kann zwar tolle Töne machen und Hazel ist eh super, aber Huldigungen wie bei einem Staatsoberhaupt? Andererseits ist die Freude der Leute echt und jeder reißt sich ein Bein aus, den Beiden den Weg zu zeigen (man traut sich kaum einen Stadtplan anzuschauen) oder sonstwie behilflich zu sein.

Ein echter Knaller ist das Frühstueck am schwimmenden Markt. Für knapp einen Euro werden vier Leute satt, man krallt sich die Sachen mit einem Piekestock vom Nachbarboot und kaut auf beiden Backen. Dazu gibts den allgegenwärtigen (sehr guten) Tee und leckeren Kaffee. Es lässt sich leben.

Morgen brechen die Beiden nach Süden auf um im Tanjung Puting National Park Waldmenschen (Orang Utans) zu gucken.

The Great Escape

The Great Escape

Was machen Hazel und Lie auf einem hölzernen Boot, mitten im Meer von Seram? Aus Banda Neira abhauen! Aber wieso? Eine lange, aber spannende Geschichte…
Die Beiden hätten den (recht beiläufigen) Hinweis im “Lonely Planet” durchaus ernstgenommen, wenn das Buch nicht in einem Taxi liegengeblieben wäre:

Always double-check your flight back to Ambon. Flights are often cancelled due to bad weather.

Hazel und Lie brauchen (wie aufmerksame Leser wissen) eine Visaverlängerung und wollen per Flugzeug über Jakarta nach Kuala Lumpur aus und dann wieder einreisen. Aber es kommt anders.

Sonntag 3. August

Abba, der Ermöglicher, Gschaftlhuber und Hansdampf (Vermieter der Unterkunft auf Banda Neira) verkündet, dass das Merpati Flugzeug (die bereits erwähnte Casa 212) Saumlaki nicht verlassen hat und es eventuell zu Verspätungen kommen könnte.

Montag 4. August

Tatsächlich, das Flugzeug fliegt nicht (Hati hati Merpati). Das bedeutet, dass die Beiden frühestens am 13. mit der Bukit Siguntang nach Ambon schippern können. (wenn das Datum stimmt – jam karet). Tendenziell gar nicht so übel noch eine Woche im tropischen Paradies. Wäre da nicht die Tatsache, das Liezel (danke Rupi, ist besser als: die Beiden) alle Anschlussflüge verpassen und natürlich der Leviathan – die indonesische Einwanderungsbehörde. Jeder Tag Visaüberschreitung kostet mal eben 200.000 Rupien (ca. 14 EUR) pro Nase.

Die Zeit ist also reif für ein Abenteuer. Lie macht sich mit Abba auf den Weg zum Hafen und quatscht mit den Kapitänen. Nach ein paar fruchtlosen Versuchen haben Sie Glück und stoßen auf Käptn Sajah (lustigerweise bedeutet der Name übersetzt: “nur” – eine Anspielung auf seine Verhandlungstaktik?). Sajah ist ein alter Kumpel von Abba (Abba kennt jeden und jeder kennt Abba). Nach etwas Palaver und einem Einstandspreis von 4 Mio. Rupien (280 EUR) wird Pak Sajah auf 3,3 Mio. (235 EUR) runtergehandelt, woraufhin Michel und Jaqueline beschließen mitzukommen. Nachdem sich die Nachricht einer Expedition in Banda Neira rumgesprochen hat (etwa nach 7,5 Minuten) stößt Agil (ein netter Typ, den Hazel und Lie auf Banda Ai kennengelernt haben) ebenfalls dazu und schließlich finden sich noch zwei namenlose (und etwas eigenartige Franzosen) – sie verpennen quasi die gesamte Überfahrt nach Ceram.

Dienstag 5. August

Um fünf Uhr ist es noch stockdunkel, als die Beiden die Bue’ Rica, ein typisch indonesisches hölzernes Kargoschiff (ca. 12 m lang, 3 m breit) besteigen und bei strömendem Regen und recht heftigem Wind von Neira nach Norden in Richtung Seram losschippern. Trotz des Windes und trotz der Anfangs recht hohen Wellen (Michel spricht von 5 – 10 Metern und er dürfte recht haben) verläuft die Schiffsreise sehr angenehm. Noch in der Nähe von Banda Besar werden Delphine gesichtet, später dann ein Schwarm Gelbflossen-Thunfische und zum Schluss noch fliegende Fische.
Lie wundert sich über die faustgroßen Löcher im Beiboot (ein Kanu aus Kanary-Holz). Nach Ankunft in Tehoru müssen Hazel und Lie mit diesem Kanu (Hazel sogar mit zwei Rucksäcken) an Land paddeln – nur um zu erfahren, dass die Küstenstrasse nach Amahai von den Regenfällen der letzten paar Tage überschwemmt wurde und fünf Bruecken nicht mehr passierbar sind.

Nach einer Übernachtung in einer Unterkunft der Kategorie “vollkrass” geht es weiter. Mit dem Bemo (regelmäßig überfüllter japanischer Kleinbuss) zur ersten kaputten Brücke und dann zu Fuss über den Fluss in das nächste Bemo. Das muss natürlich organisiert werden, und wie immer bei Naturkatastrophen macht einer ein gutes Geschaeft. In diesem Fall die Busfahrer. Dieser spezielle Bemofahrer möchte Lie für das viele Geld was bieten und zeigen, was er kann: Aus unerfindlichen Gründen weicht er auf das Straßenbankett aus. Natürlich bleibt er da stecken und natürlich gibt er Vollgas und später fährt er sogar noch zurück (weiter in den Straßengraben). Beim (erfolgreichen) Versuch die Karre aus dem Dreck zu schieben, wird Lie von einer Matschfontäne ‘verschoenert’. Macht ja nüscht, aber was soll das?

Nach der zweiten Brücke erfahren Liezel – oh Wunder – die dritte Bruecke sei angeblich in Ordnung (by Seramese standards). Nur: 0,5 km später hatten die Regenfälle die Straße gleich ganz weggespült und Liezel können einen neuen, nicht kartographierten Fluss bewundern. Zu Fuss drüber und noch ein Bemo, seufz. Aber dann gehts für die Beiden ganz glatt weiter – sogar die Fähre wird erreicht und dann ab nach Ambon.

Hier können die Beiden, dank Herrn Jan Hekkers, Chef des Lestari Guesthouse, eine Visaverlängerung organisieren und müssen nun gar nicht mehr nach Malaysia. Hilfreich ist dabei ein wenig “Zigarettengeld” – Hazel glaubt übrigens, dass alle Indonesier rauchen, weil es sonst keinen Grund fürs Zigarettengeld gäbe… Ein Kumpel von Abba namens Edi verkauft die Flugtickets nach Jakarta und bringt uns die Kohle ins Hotel! Hazel quatscht außerdem so lange auf die Hotline-Dame bei Lionair ein, bis diese bereit ist uns einen Teil des Flugpreises nach Kuala Lumpur zurückzugeben. Hazel ist ganz schoen hartnäckig. Echt jetzt.

Am Ende war der ganze Aufriss vermutlich billiger als der Ausflug nach Malaysia es gewesen wäre.