Die Beiden fliegen von Kupang aus nach Kota Ambon, mit einer (recht holprigen) Zwischenlandung auf einer ganz kleinen, sehr trockenen Insel (Kehli) auf der es Hazel gelingt, hinter einen Busch auf dem Rollfeld zu pinkeln (mach das mal in Frankfurt!), waehrend Lie ein Zigarettchen raucht und sich mit dem Copiloten anfreundet.
Dieser freundliche Herr gestattet Lie, im Cockpit weiterzufliegen (waehrend er im Koran blaettert). Die “Windschutzscheibe” oder wie das bei Flugzeugen heisst, ist mit Zeitungspapier verhaengt, aber vor dem Sinkflug wird diese improvisierte Sonnenblende abgenommen (offenbar die Standardprzedur). Lie erstarrt beinahe, als die Landung beginnt und er in der buchstaeblichen zweiten Reihe sitzt. Dabei vergisst er leider, mit der Kamera draufzuhalten…
Ambon dann, ein seltsamer Platz – Handtellergrosse Schmetterlinge und bluehende Natur – und eine Stadt, die Aufgrund religioeser Auseinandersetzungen vor knapp sehn Jahren ganz erheblich gelitten hat und immer noch aussieht, wie ein tropisches Beirut. Dazu das erstemal richtiger Regen. Hmmmm. Ein Tipp zum Schluss: Oase im etwas abweisenden Kota Ambon ist das Guesthouse von Pak Hekkers im Pondok Wisata Lestari (0911- 355596).
Hazel und Lie hatten vor, in Ost-Timor das Visum fuer Indonesien zu erneuern. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt… Nachdem der Ost-Timoresische Praesident im Februar fast erschossen wurde und die indonesische Botschaft eine mehr als uebliche Art des Bummelstreiks goennt (Augenzeugen berichten von 6 Arbeitstagen Bearbeitungszeit ohne Bestechung), haben sich die Beiden entschlossen, das Ganze anders anzugehen. Flexibilitaet ist in Asien keine Tugend, sondern eine Notwendigkeit. Also gehts erstmal nach Ambon (und dann die Banda Islands), und dann ueber Jakarta nach Kuala Lumpur und erst dann nach Borneo.
Zwischendurch folgen wir der Surferschar (so viele sind es nicht, die Beiden sind meistens die einzigen Nicht-Einheimischen) nach Nembrala auf Rote, eine Insel suedwestlich von Timor. Man lebt hier recht guenstig in Vollpension (lecker!) fuer 7 EUR und hat, wenn man will den ganzen Strand fuer sich. Ausserdem eine Eskorte aus Hunden uns Schweinen jeder Farbe und Groesse. Ein Bild fuer Goetter ist eine Schweinefamilie, die vor dem tropischen Sonnenuntergangspanorama den Strand mit Ihren Schnauzen aufroeffen.
In Kupang, auf West-Timor haengen die Zwei recht gediegen im Pantai Timor ab, schlendern ueber den Night Market und trinken froehliche Gin-Tonics im L’Avalon. Das Leben ist schoen, die Menschen gut und die Welt rund…
Lie ganz fertig vom Futtern, besser als Bergsteigen!
Kupangs waterfront, der Beton kruemelt, trotzdem nett da
Night Market
Sonnenuntergang in Kupang
Markttag in Nembrala
Unsere Tiereskorte, morgens, vor dem Bungalow. Wacht endlich auf!!!
Als naechstes steht auf Hazels & Lies Programm die “Hauptsehenswuerdigkeit” von Flores, und zwar Kelimutu. Dieser Vulkan in der Naehe des Bergdorfs Moni hat 3 verschiedenfaerbige Kraterseen, deren Farben sich ueber die Jahre auch immer wieder veraendern. Um sich dieses Naturschauspiel anzuschauen, stehen die Beiden um 4h auf. Belohnt wird man mit dem tollen Ausblick auf Bergsilhouetten, Meer und die Kraterseen bei Sonnenaufgang.
Und dann gehts auch gleich weiter mit dem public bus gen Osten. Eigentlich wollten Hazel und Lie mit der Faehre von Ende nach Kupang (Westtimor) fahren, aber weil die Faehrgesellschaft bankrott ist, entscheiden sich die beiden fuer einen Inlandsflug von Maumere nach Kupang.
In Bajawa stolpern Hazel und Lie ueber William, der sie zu einer Feier in sein Heimatdorf (Wolowoi) einlaedt. Die Beiden haben sich keinerlei Gedanken ueber das Ausmass Ihres Gluecks gemacht, aber als Sie sich Palmwein trinkend (aus der Lontarpalme) und Betelnuss kauend in der Huette von Williams Onkel wiederfinden, realisieren sie, dass sie eine unvergessliche Erfahrung machen werden.
Das Volk der Ngada lebt um Bajawa herum und ist seit einigen Jahrzehnten offiziell christlich, tatsaechlich glauben sie an die Geister ihrer Ahnen, die Sie entweder beschuetzen, wenn sich die Ngada ordentlich auffuehren, oder sich auch raechen, falls man die Ahnen und die Traditionen vernachlaessigt. die Ngada vererben ueber die weibliche Linie und sind matriarchalisch organisiert. Die Clans werden durch eigenartige Gebilde in der Dorfmitte repraesentiert und jeder Clan zerfaellt in einen Wurzelteil und einen Astteil. Dazu kommt noch ein dreigliedriges Kastensystem, was dazu fuehrt, dass das Heiraten nicht ganz einfach ist. So wie Hazel und Lie das verstanden haben, ist es fuer Oberklasse-Damen sehr schwer, einen passenden Partner zu finden (aber das soll ja auch in Wien so sein …)
Die Feier, in die die Beiden geraten sind, war eine Art Richtfest fuer das Gebaeude, das Ihr Euch bei den Bildern anschauen koennt. Ein vergleichbares Fest wird nur alle paar Jahre gefeiert und die Beiden waren mitten drin.
Ganz unbefangen wurden Hazel & Lie in jedes Haus eingeladen, ueberall gab es fuer die Beiden was zu Essen und zu Trinken. Nur die Kinder waren anfangs recht scheu. Blickte man Sie direkt an, verdufteten sie so schnell sie konnten, um unmittelbar darauf wiederzukommen und diese seltsamen Gaeste in Augenschein zu nehmen. Nach einer Weile wurden Sie dann zutraulicher und haben sich von Lie das “Stein-Schere-Papier”-Spiel beibringen lassen. Spaeter hingen sie wie eine Traube um Hazel & Lie herum und wollten fotographiert werden. Viele Dorfbewohner haben Hazel & Lie sofort und immer wieder mit Fragen bombardiert, grosszuegig ignorierend, dass die Beiden kein Ngada und Sie kein Englisch sprechen. Die Waerme, Freundlichkeit und Neugier dieser Leute hat Hazel & Lie beeindruckt, wie nichts zuvor auf dieser Reise.
Hazel wurde dann sogar eingeladen, an den rituellen Taenzen teilzunehmen, was sie auch bravuroes hinbekommen hat. Nachdem Sie von zwei Dorfschoenheiten (eine davon war ganz offensichtlich an Lie als Ehegespons interessiert) in Originaltracht eingekleidet wurde, legte sie einen gekonnten two-step auf den Dorfplatz.
Hazel und Lie sind bis zum Abend geblieben und werden diesen Tag nie vergessen. Die Ngada haben die Beiden auch fuer den naechsten Tag zum rituellen Tieropfer eingeladen (drei Wasserbueffel), aber zu dieser Zeit sassen die Beiden schon im Bus nach Moni.
Bajawa, Bergdoerfchen beim Vulkan
Markt in Bajawa
Lie kauft Tabak
Lecker Sachen
Haeng Dir eine Ente an den Lenker und fahr wie ein wilder Henker
Trotz Warnung aus dem Reiseführer (schlechte Straßen, Speiberei-Gefahr) wagen Hazel und Lie eine längere Etappe auf ihrer Reise gen Osten: Bajo bis Bajawa, 256 km, das heißt mindestens 10 Stunden mit dem public bus. Und das bedeutet folgendes: Ein Bus mit ca. 20 Sitzplätzen wird innen und oben drauf mit Menschen, Tieren, Reissäcken u.ä. befüllt bzw. bepackt bis wirklch nix und niemand mehr reinpasst. (höchstzulässiges Gesamtgewicht – hmm??) Gut, ist ja kein Problem, man ist ja flexibel und abenteuerlustig, und der halb abgestorbene Fuß unterm Reissack wird auch wieder einmal durchblutet werden. Und die vorbeiziehende Landschaft ist ja wirklich sehr schön. Dunkle Vorahnungen kommen aber auf, als auf halber Strecke eine Mami mit 10 leeren Plastiksackerln zusteigt, sich den Beiden gegenüber (d.h. gegen die Fahrtrichtung) auf die Reissäcke setzt und mehr oder weniger übergangslos – der Bus bewegt sich noch kaum – anfängt zu würgen und zu speiben. Andere folgen. Hazel und Lie nicht, aber es bedarf schon einiger Nervenstärke. (Ohrenstöpsel und Augen zu ist Hazels Tipp.) Vielleicht liegt die “Magenschwäche” mancher Locals daran, dass dieser Teil von Flores recht abgeschieden ist und die Leute selten mit dem Auto oder dem Bus unterwegs sind.
Anmerkung von Lie: Apropos abgeschieden – auf ganz Flores gibt es kein funktionierendes Internet – gerüchteweise soll es in Bajo ein Internetcafé geben, bestätigen kann ich das nicht.
In Bajawa, im Hochland von Flores, angekommen, erholen sich Hazel und Lie im Hotel Edelweis (dessen Bettbezüge aber leider nicht wie Blümchen duften…)